Opfer der eigenen Träume

- Auch Supermänner sind sterblich. Diese vom Kino nicht immer respektierte Tatsache bildet den Ausgangspunkt von "Die Hollywood-Verschwörung", dem Leinwanddebüt des Fernsehroutiniers Allan Coulter. Vor knapp 50 Jahren wurde der Schauspieler George Reeves in seinem Haus in Los Angeles mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden. Reeves, geboren 1914, misslang der Durchbruch in der Traumfabrik. Erst Anfang der 50er wurde er ein Star des beginnenden TV-Zeitalters: Unter anderem wohl durch die Beziehungen seiner Geliebten Toni Mannix, der Frau des MGM-Tycoons Eddie Mannix, wurde er der erste "Superman" im gleichnamigen Straßenfeger.

Reeves wurde populär und wohlhabend, doch er litt darunter, nun endgültig fürs Kino "verbrannt" zu sein. Es folgte die Kombination aus Altern, Depression und Alkohol, die man aus den Biografien vieler Stars kennt. Reeves‘ offizielle Todesursache Selbstmord hat daher einige gute Gründe für sich, doch manche Indizien, die auf Mord hindeuten, bleiben bis heute unwiderlegt. Das alles bildet die Basis dieses Films.

Er beginnt mit der Todesnachricht und dem ehrgeizigen Privatdetektiv Louis Simo (Adien Brody), der aus Polizeikreisen den Tipp erhält, etwas sei faul an der Selbstmordtheorie. Mit seinen Nachforschungen wirbelt er schnell eine Menge Staub auf. Immer tiefer dringt er ein in die dunkle Wahrheit des Showbiz.

Coulter zeichnet ein dichtes Porträt der Spätphase von Hollywoods goldener Ära. Im Sujet wie in seiner Erzählweise und in seinem düster-mysteriösen Grundton erinnert der Film an einige Klassiker der Hollywood-Selbstreflexion, etwa an "Sunset Boulevard", der sogar zitiert wird. Am gelungensten ist "Die Hollywood-Verschwörung" in der Entfaltung einer gewissen Mehrdeutigkeit. Denn die Menschen dieses Films sind keine Opfer ­ es sei denn die ihrer eigenen Träume und Illusionen. Sie haben sich auf die Härte des Filmgeschäfts, auf den Preis, den es fast zwangsläufig kostet, eingelassen. Und dies in der Gier nach einer außerdurchschnittlichen Existenz und einer Berühmtheit, die jene sprichwörtlichen "15 Minuten" im Rampenlicht, die nach Warhol einem jeden zukommen, überdauert. Womöglich sogar den eigenen Tod, das immerhin ist auch George Reeves gelungen.

Eindringlich verkörpert Ben Affleck diesen Reeves. Der Auftritt ist deshalb so gelungen, weil Affleck ein zwar charmanter, aber auch hölzerner und immer etwas eitel wirkender Darsteller ist, der diese Attribute subtil in den Dienst der Rolle stellt. Zudem ist auch das eigene Schicksal Afflecks präsent: der gescheiterte "Dare\-devil"-Darsteller, der als Jennifer-Lopez-Lover mehr Schlagzeilen machte als mit all seinen Kino-Auftritten zusammen. In den Schatten gestellt wird er aber durch Diane Lane. Als Reeves Geliebte und reiche Gönnerin verwandelt sie diesen Thriller in einen Film über Glamour und Verzweiflung, über das Altern und die Sehnsucht nach Jugend.

Ähnlich wie in Brian De Palmas "Black Dahlia" wird ein realer spektakulärer Kriminalfall zum Ausgangspunkt für das Porträt einer Epoche. Virtuos mischt Coulter Tatsachen und Erfindung. Elegant und voller Nostalgie inszeniert, getragen von wunderbaren Darstellern, fehlt zwar die letzte Vielschichtigkeit und Abgründigkeit der "Black Dahlia", doch überzeugt das Ergebnis gleichwohl: ein Panorama des Hollywood der 50er-Jahre, in dem das Fernsehen seine Macht über und gegen das Kino zu entfalten beginnt, aktuell auch durch die untergründige Depression inmitten des schönen Scheins. (Ab morgen in München: Monopol, Cinema i.O.)

"Die Hollywood-Verschwörung"

mit Ben Affleck, Diane Lane

Regie: Allen Coulter

Hervorragend

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