Dem Original verpflichtet

- Verfilmt wurde Erich Kästners Kinderbuch "Das doppelte Lottchen" schon oft. Doch als Zeichentrickversion gab es die Geschichte der ungleichen Zwillinge, die ihre geschiedenen Eltern wieder vereinen, bislang noch nicht.

Grundlage für diese Animation bildeten die charmanten Zeichnungen von Walter Trier, der alle Kästner-Romane in seinem klaren Stil, mit dunklen Rahmen und bunten Farben illustrierte ­ und so die Bücher prägte. Das Ergebnis ist ein bewusst einfacher Retro-Stil, zu dem es gut passt, dass die Regisseure Michael Schaack und Toby Genkel die Handlung nicht wie einst Josef Vilsmaier in seiner modernisierten Fassung "Charlie und Louise" oder Nancy Meyers in ihrer US-Variante "Ein Zwilling kommt selten allein" ins Heute verlegten. Ihre turbulente Adaption ist vielmehr in den 50er-Jahren angesiedelt, was dem Original auch deutlich mehr gerecht wird.

Schließlich war "Das doppelte Lottchen" bei seiner Veröffentlichung 1949 ein Skandal ­ und galt keineswegs als empfehlenswert: Drehte sich doch alles um eine Scheidung, um eine berufstätige, alleinerziehende Mutter und ihre offensiv agierende Nebenbuhlerin.

Zudem ergriff Kästner deutlich Partei für die Kinder, die sich gegen Verbote der Eltern stellten und sich nicht gerade als wohlerzogen empfahlen. Nur in wenigen Elementen haben die Regisseure die Story etwas aufgeblasen und damit zeitgemäßer gemacht: Beim Musikwettbewerb etwa trifft die Klaviervirtuosin Luise erst in allerletzter Minute ein, um die unmusikalische Lotte abzulösen. Manch anderer Rollentausch ist ebenfalls mit sanftem Schwung und kindgerechtem Tempo inszeniert. Insgesamt folgt die Produktion aber treu ihrer Vorlage. Die naive Bildersprache und die für moderne Sehgewohnheiten eher behäbige Erzählweise empfehlen diesen rundum sympathischen Zeichentrickfilm allen Kindern, die für die deutlich rasanteren Disney-Produktionen noch zu jung sind. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Museums-Lichtspiele.)

"Das doppelte Lottchen"

Erzähler: Axel Milberg

Regie: Toby Genkel, Michael Schaack

Sehenswert

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