Originelles aus der Provinz

- Revolution in New York, die Leidenschaften toben: Brave Bürger gehen auf die Straße, engagieren sich gegen den Irakkrieg und die Politik der Bush-Regierung, Radikalere schreien und sprayen ihre Wahrheit in die Welt. Viele Journalisten kämpfen für die Freiheit, über all das zu berichten, und erleben, wie die Gesellschaft kocht bis an den Rand des Straßenkampfes - dies alles vor der Hintergrund des republikanischen Wahlkampfparteitags.

Diese Ereignisse im heißen Sommer 2004 bilden einen Einschnitt in der jüngeren US-Geschichte. Stephen Marschalls Film "This Revolution" verbindet die Dokumentation des Geschehens mit einer Spielfilmhandlung um einen Journalisten, der sich in eine Protestlerin verliebt und darüber erkennt, wie sehr sich die Massenmedien von den Herrschenden benutzen lassen. Der Film, gedreht während des Wahlkampfs, bietet hartes, kritisch-engagiertes Kino in bester Independent-Tradition. Neben Shooting-Star Rosario Dawson spielt auch Amy Redford, die hübsche Tochter des schönen Robert, eine Hauptrolle als zickige Redaktionschefin.Wie in den letzten Jahren war die von Ulla Rapp betreute Reihe der US-Independents auch diesmal wieder die in sich geschlossenste Sektion und der einzige Ort des Münchner Filmfests, auf dem echte Entdeckungen möglich waren. Mag das Independent-Kino auch insgesamt seine Identität suchen - die Mainstreamstudios sind längst überall -, so gibt es hier doch immer eine Hand voll Filme, die zu den besten des Festivals gehören.Darunter waren zwei Dokumentationen: In "Unforgiveable Blackness" erzählt der Amerikaner Ken Burns knapp drei Stunden lang eine Geschichte aus der Rassenpolitik des vergangenen Jahrhunderts - die Geschichte von Jack Johnson, der 1908 der erste schwarze Box-Weltmeister wurde. Johnson war ein großartiger Boxer, aber auch ein typischer Mann seiner Zeit, ein Macho, der Geld, Sex und Glamour liebte. Diese Kombination verzieh ihm das weiße Mittelklasse-Amerika nicht. Bezwingend war auch "Bearing Witness" von Dokumentarfilmlegende Barbara Kopple: Eine hochspannende Doku über fünf Kriegsberichterstatterinnen während des Irakkrieges. Sie arbeiten für BBC, CNN und Al-Jazieera. Kopple stellt verschiedene Erfahrungen und Erlebnisse schroff einander gegenüber - ein Frauenfilm der anderen Art.Diesmal stammen viele Independent-Filme nicht aus den bekannten Kinometropolen Los Angeles und New York, sondern aus der Provinz. Ein Beispiel ist "Me and you and everyone we know", das aufregende Debüt der Schauspielerin Miranda July, das bereits mit der "Camera d'Or" ausgezeichnet wurde. In den Fußstapfen von "Magnolia" und "Sex, Lies and Videotapes" erzählt der Eröffnungsfilm der Reihe originell und einfühlsam von einer typischen Patchworkfamilie: Eine resolute Taxifahrerin, ein allein erziehender Vater und zwei ziemlich anstrengende Kinder müssen sich zusammenraufen.Ein alter Bekannter ist schließlich Hal Hartley. Der einstige Independent-Star kommt zurück nach München mit einem digital gedrehten Science Fiction: "The Girl from Monday", ein abgefahrenes, witziges Stück Kino, wie man es nur auf dem Münchner Filmfest zu sehen bekommt. Vielleicht sind Zukunftsfantasien ja der beste Ausweg. Für unabhängiges Kino gilt das allemal.

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