Oscars Schwindelei

- Oscar ist ein klassischer Versager. Das Mädchen, das gut für ihn wäre, ignoriert er, seine weltfremde Tagträume hindern ihn daran, etwas aus seinem Leben zu machen. Und weil er ein Fisch ist, muss er sich auch noch vor den Haien vorsehen. Aber ausgerechnet die Begegnung mit einem Hai bringt die große Wende: Der Kleine ist in der Nähe, als ein Hai von einem Anker erschlagen wird.

<P>Weil Oscar alle in dem Glauben lässt, er hätte den Hai bezwungen, wird er zum umschwärmten Helden - und trotzdem nicht froh. Denn auch die Familie des Hais glaubt die Lügengeschichten und schwört Rache.</P><P>Freilich sind die Haie keineswegs Oscars größte Sorge. Sein wahres Problem heißt Nemo, der Clownfisch aus dem Computer, der vor Jahresfrist mit "Findet Nemo" für Umsatzrekorde sorgte. Denn von Beginn an verfolgt einen das Déjà-vu: Irgendwie kommt einem das alles sehr bekannt vor. Das war natürlich keine Absicht. Die Herstellung eines Animationsfilms dauert von der ersten Idee bis zum Ergebnis in der Regel ein halbes Jahrzehnt. </P><P>So hatten die Macher von "Große Haie - Kleine Fische" keine Chance, auf "Findet Nemo" zu reagieren. "Große Haie - Kleine Fische" ist kein Abklatsch. Mit viel Detailfreude wird das Genre des Gangsterfilms parodiert. Das ist alles sehr nett gemacht, aber die Parodie aus dem Computer hat dasselbe Problem wie jede Parodie: Sie entwickelt keinen eigenständigen Stil, und viele der Gags sind nur lustig, wenn man eingeweiht ist, also alle Anspielungen versteht.</P><P>Die englische Version kompensiert das mit einer erstklassigen Besetzung. Robert DeNiro leiht einem Mafia-Hai seine Stimme, und Will Smith gibt dem sympathischen Verlierer Oscar Seele. In der deutschen Fassung ist das nur noch zu erahnen. Sandra Speichert ist, um nur ein Beispiel zu geben, einfach kein Ersatz für Angelina Jolie, die mit einer lasziv-verruchten Stimme ihrem Fischweibchen ungeahnte erotische Energie verleiht. Natürlich ist der Film tricktechnisch perfekt und reißt einen mit viel guter Musik mit, aber man fragt sich doch den ganzen Film über, was Nemo wohl gerade so macht. </P><P>"Große Haie - kleine Fische"<BR>Regie: Bibo Bergeron, Vicky Jenson<BR>Annehmbar </P>

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