Pädagogische Zauberkräfte

- Natürlich ist es ungebührlich, unfreundlich über Kinder zu sprechen, aber jeder, der öfter mit ihnen zu tun hat, weiß, dass es nicht immer ganz leicht ist, diese kleinen Virtuosen des Psycho-Terrors zu mögen. Emma Thompson, selber Mutter, hat sich diese ambivalenten Gefühle von der Seele geschrieben. Ergebnis war das Drehbuch zu "Eine zauberhafte Nanny", das Kirk Jones als subversiven Familienfilm inszeniert hat. Ein netter, aber überforderter Witwer (Colin Firth) kommt mit seinen sieben Kindern nicht mehr zurecht. Jedes Kindermädchen kapituliert vor der schier endlosen negativen Energie der Siebener-Bande.

17 Kindermädchen fliehen innerhalb eines Jahres, und da betritt Nanny McPhee (Emma Thompson ist kaum wieder zu erkennen) die Szenerie. Das neue Kindermädchen ist keine Schönheit, kann zaubern und lässt sich von den Kindern nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Der Nachwuchs bekommt es ein bisschen mit der Angst zu tun, als er realisieren muss, dass mit dieser Dame nicht zu spaßen ist. Es ist ein uraltes Thema, das Thompson hier aufgreift: Liebe und Verantwortung gehen Hand in Hand. Erst als die Rabauken Regeln akzeptieren, kommen sie mit sich ins Reine. Denn ihr aufsässiges Verhalten ist in Wahrheit hilfloser Ausdruck der Trauer um die Mutter, unverarbeiteter Schmerz. Und Nanny McPhee ist die dringend notwendige Schocktherapie, die Linderung bringt.

Aber Thompson und ihr Regisseur vermeiden es geschickt, aus der "Zauberhaften Nanny" einen didaktischen Pädagogen-Lehrfilm zu machen. Es liegt am mal hintergründigen, mal albernen Humor, der dafür sorgt, dass Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Gaudi haben. Sie lachen über unterschiedliche Dinge, und es ist das Verdienst des Films, dass das immer zusammengeht. Emma Thompson hat sichtbar Freude daran, bis zur Unkenntlichkeit "verfremdet" die biestige Nanny zu geben und lustvoll die geheimen Wünsche aller Eltern auszuleben. Manchmal muss man Kinder eben mit sanfter Gewalt auf den richtigen Weg bringen, sie zu ihrem Glück zwingen. Und wenn es gut läuft, revanchieren sich die Kinder und erziehen uns auch ein wenig.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Museum.)

"Eine zauberhafte Nanny"

mit Emma Thompson, Colin Firth

Regie: Kirk Jones

Sehenswert

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