Panik in der Wasserwüste

- Mit dem Sensationserfolg "Open Water" hat dieser Film im Grunde nichts zu tun. Außer eben, dass Menschen hilflos im Meer treiben und dabei den Elementen und ihrer eigenen Angst ausgeliefert sind. Der deutsche Werbefilmer Hans Horn hat mit beeindruckenden Bildern einen Albtraum eingefangen, der angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht.

Drei junge Paare gönnen sich einen Wochenendausflug auf einer Yacht. Auf hoher See springen die ungeübten Amateur-Matrosen ausgelassen ins Wasser und stellen schnell fest, dass sie eine furchtbare Dummheit begangen haben. Niemand hat daran gedacht, die Leiter herunter zu lassen. Die Bordwand ist aber viel zu hoch, um sie vom Wasser aus zu überwinden.

So treiben sie hilflos im Meer, vor sich nah und doch unerreichbar ständig das rettende Schiff. Schleichend macht sich Panik breit, der blanke Überlebenstrieb führt zu hässlichen Szenen. Als ob die Situation nicht schon bedrohlich genug wäre, gehen die Schiffbrüchigen auch noch aufeinander los.

Als Kammerspiel der Paranoia vor der Kulisse endloser Wasserwüste hat "Open Water 2" anfangs seinen unbestreitbaren Reiz, wenn die Protagonisten unter dem Druck ständiger Angst ihre Masken fallen lassen. Aber die Autoren scheinen der eigenen Geschichte zu misstrauen und bauen ständig weitere Katastrophen und Wendungen ein, was die ursprüngliche Idee untergräbt.

Anstatt zu beobachten, was sich entwickelt, wird immer neuer Sprengsatz für die Gruppe erfunden, die aufeinander angewiesen ist und sich doch zerfleischt. Je mehr sich die Katastrophen häufen, desto unglaubwürdiger wird die Geschichte. Aber genau von der authentischen Atmosphäre, in die sich jeder hineinversetzen kann, lebt der Film letztlich.

Die US-amerikanischen Jungschauspieler machen ihre Sache dennoch gut und verleihen den etwas konstruierten Charakteren Leben. Ein interessanter Film, der das Potenzial zu einem echten Klassiker gehabt hätte. (Ab morgen in München: Mathäser, Gabriel, Museum i.O.)

"Open Water 2"

mit Eric Dane, Ali Hillis

Regie: Hans Horn

Annehmbar

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