Pfeifende Kugeln, knarzende Sprüche

- Auf der Suche nach vermeintlichen Erfolgsrezepten verfallen Hollywood-Produzenten regelmäßig auf die Idee, alte TV-Serien zu spektakulären Leinwand-Abenteuern aufzumotzen. Aus werbewirtschaftlicher Sicht hat das den Vorteil, mit einem bekannten Markennamen und einem bewährten Konzept operieren zu können. Nun ist es aber so, dass nicht jede US-Serie hierzulande ein Begriff ist. Und darunter wird "S.W.A.T" von Clark Johnson zu leiden haben.

<P>Die Geschichte um eine Elite-Truppe, die immer dann aktiv wird, wenn die Polizei aufgibt, greift die Grundidee der Serie so unmittelbar auf, dass der unkundige Zuschauer sich rettungslos im Pfeifen der Kugeln und dem Knarzen markiger Sprüche verliert. </P><P>Und das, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, weshalb diese schlecht gelaunten Polizisten sich wahlweise anschnauzen oder ganze Stadtviertel in Bürgerkriegsgebiete verwandeln. Im Grunde ist das aber auch nicht weiter wichtig. Die so genannte Handlung dient ohnehin nur als vage Streckenmarkierung, die diverse Actiongewitter miteinander verbindet. Insofern unterscheidet sich "S.W.A.T" nur wenig von anderen Polizisten-Thrillern.<BR><BR>Allerdings hat sich Regisseur Johnson mit seiner einfallsreichen Inszenierung davor bewahrt, belanglose Wegwerfware zu produzieren. Atemlos und gewissermaßen immer auf dem Sprung zur nächsten Szene reißt der Film den wohlwollenden Zuschauer mit und beugt der größten Gefahr vor - dem Nachdenken. Denn selbstredend stimmt bei "S.W.A.T" von vorne bis hinten gar nichts. Aber erstaunlicherweise überzeugen die Schauspieler - trotz hanebüchener Dialoge.</P><P> Johnson hat seinen Stars Samuel Jackson und Colin Farrell viel Raum zum Improvisieren gegeben, und die danken es mit schönen Szenen. Die Methode, mit mehreren Kameras gleichzeitig und teilweise spontan zu drehen, hat sich wenigstens in dieser Hinsicht bezahlt gemacht.<BR><BR>Insbesondere Hollywoods neuer Allzweckwaffe Michelle Rodriguez kommt diese Methode entgegen. Sie ironisiert mit ihrer Mischung aus Aggressivität und weiblicher Laszivität die Macho-Posen des Films und verleiht "S.W.A.T" das, was ansonsten viel zu kurz kommt: Humor. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Gloria, Karlstor, Autokino, Cinema i.O.)<BR><BR>"S.W.A.T."<BR>mit Samuel Jackson, Colin Farrell<BR>Regie: Clark Johnson<BR>Annehmbar </P>

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