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Reiseziel Japan: Willi testet Sushi in Tokio (Foto) und trifft auf Sumoringer Thorsten Scheibler.

Ein Phänomen mit Namen Willi

Willi Weitzel ist das Gesicht des Bayerischen Fernsehens – für Kinder. Seine Sendung „Willi wills wissen“ ist so erfolgreich, dass heute der Film „Willi und die Wunder dieser Welt“ in den Kinos startet. Ein Gespräch mit Willi bei Kaffee und Kuchen.

Was er gar nicht mag, sind Kirschkerne im Kirschkuchen. Zumindest steht es so im Internet. Dort steht auch, dass er am liebsten Suppe isst und bei „verliebt?“ hat er „ja“ angekreuzt. Was Willi Weitzel beruflich macht, kommt in dem Fragebogen nicht vor. Seine Fans wissen, womit Willi seine Brötchen, quatsch, seinen Kirschkuchen ohne Kerne verdient: mit Leute löchern.

Seit 2001 fragt sich Willi für die Zuschauer der BR-Erfolgssendung „Willi wills wissen“ durch alle Lebensbereiche: Wer hilft den kranken Tieren? Wie sieht ein Knast von innen aus? Wie erfinden Erfinder? 159 Folgen hat die Produktionsfirma Megaherz in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk bereits gedreht, und die Fragen scheinen noch lange nicht auszugehen.

In dem Riesenstück Schokotorte, das Willi Weitzel während seines Interview-Marathons im Asam Hotel in München mit Cappuccino hinunterspült, sind zum Glück keine Kirschkerne. Darum ist er gut aufgelegt und lässt sich zur Abwechslung selber Löcher in den Bauch fragen. Und er will ja auch gefragt werden, von seinem neuen Film erzählen: „Willi und die Wunder dieser Welt“, ein Kinofilm, für den er einmal um den Globus fliegen durfte.

Willi Weitzel trägt einen hellblauen Pullover, ob er wie sonst bunte Turnschuhe an den Füßen hat, kann man nicht sehen, die stecken unter dem Kaffeetisch. Jung muss er wirken, der Willi, das gehört zum Konzept. Er ist der große Bruder, muss alles erst selbst herausfinden, bevor er es den Kleineren erklären kann. Das ist die Marke „Willi“ – im Gegensatz zum etwas verschrobenen Wohnwagen-Onkel Peter Lustig in „Löwenzahn“ und Papa Christoph aus der „Sendung mit der Maus“.

Was passiert, wenn Turnschuhe und bunte T-Shirts mal nicht mehr genug sind, um den inzwischen 37-Jährigen ausreichend jugendlich wirken zu lassen, beschäftigt auch die, die auf Willis Erfolgswelle mitschwimmen dürfen. Arne Sinnwell ist der Regisseur von Willis Serie und Film. „Ich weiß es nicht“, sagt er. „Natürlich überlegen wir, wie das weitergehen kann, ob Willi dann irgendwann ins Jugend- oder Erwachsenenprogramm ausweichen muss.“ Aber so weit ist es noch nicht. Willi hat keine Angst, bald durch eine jüngere Ausgabe ersetzt zu werden: „Das Format lebt ja davon, dass ich das bin.“ Und da hat er wahrscheinlich Recht. Helmar Rudolf Willi Weitzel, geboren in Marburg, heute Wahl-Münchner, Sohn eines Supermarktleiters, abgebrochenes Theologiestudium, abgeschlossenes Studium zum Hauptschullehrer, ist ein Markenzeichen des Bayerischen Rundfunks geworden – und sicherlich der bekannteste Fernsehreporter in der Zielgruppe der Vier- bis Vierzehnjährigen. Erste journalistische Erfahrungen hatte er bei dieser Zeitung und im Kinderfunk auf Bayern 2 gesammelt, da plante der BR ein neues Fernsehformat für Kinder. Der Titel stand schon fest: „Willi wills wissen“. Nur einen Bewerber habe es gegeben, erzählt Sinnwell, und der hat uns sofort überzeugt: Helmar Weitzel. „Wir dachten schon, dass sich Helmar wills wissen irgendwie doof anhört. Da hat er uns seinen Ausweis unter die Nase gehalten und hieß tatsächlich mit drittem Namen Willi.“ Fast zu schön, um wahr zu sein.

Wegen des großen Erfolgs moderiert Willi seit 2005 auch seine Kinder-Ratesendung „Quiz Quark Club“ und interviewt Prominente in „Willis Vip Club“. Da lässt es sich leicht selbstbewusst sein. Und jetzt also Kino. Nach Japan durfte er fliegen, in den australischen Dschungel, in die Sahara und an den Nordpol. Auffällig am Kino-Willi ist, dass es erstaunlich unproblematisch zugeht in seiner Kino-Welt – im Gegensatz zu ernsteren preisgekrönten „Willi wills wissen“-Folgen à la „Wie ist das mit dem Tod?“.

Willi hat seinen Kuchen inzwischen aufgegessen und sagt, dass man bei den Recherchen am schmelzenden Nordpol sehr wohl gescherzt hätte, der nächste Film könnte „Willi und die Wunden dieser Welt“ heißen. Aber, erklärt er, er habe einen anderen Ansatz verfolgt: „Zielgruppe des Films sind Menschen, die noch gar nicht so lange auf diesem Planeten sind. Ich denke, es ist falsch zu sagen: ,Schau, der Nordpol schmilzt‘. Wir müssen sagen: ,Schau, das ist der Eisbär‘.“ Man könne von Kindern nicht erwarten, dass sie etwas schützen sollen, was sie noch gar nicht lieben gelernt haben.

Wenn Willi so etwas erklärt, fühlt es sich ein bisschen an, wie früher am Sonntagvormittag: wie bei der „Sendung mit der Maus“, wenn komplizierte Dinge ganz einfach erklärt wurden – Kinderfernsehen eben.

Und dann sagt Willi, dass man im Kino noch andere Dinge bedenken muss als im Fernsehen: „Filmtitel mit negativen Wörtern ziehen nun mal nicht.“ Ein Geschäftsmann ist er also auch, der Willi, natürlich soll der Film im Kino ein Erfolg werden. Als auch der Cappuccino ausgetrunken ist, geht der Interview-Marathon für ihn in die nächste Runde.
Zum Abschied lächelt, nein, strahlt er trotzdem tapfer. Schlechte Laune ist bei der Marke „Willi“ nicht vorgesehen.

von Katharina Riehl

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