Philipp Stölzls beklemmendes Road-Movie

- Ein Autounfall macht während eines gemeinsamen Urlaubs aus den Freunden Frank (Filip Peeters) und Paul (Lars Rudolph) Witwer und aus Franks 13-jähriger Tochter Lili (Alice Dwyer) eine Halbwaise. Die drei meistern fortan ihr Schicksal in einer seltsamen Schicksals-WG. Das Trio wird über die Jahre hinweg unzertrennlich, alles wird geteilt, alles wird zusammen erlebt.

<P>Doch diese menschliche Idylle gerät durch eine Verkettung an sich bedeutungsloser Umstände in eine derartige Schieflage, dass es kein Entrinnen mehr geben wird.<BR><BR>Affäre mit dem Zweitvater</P><P>Ausgerechnet Lili, Pauls "Baby", bringt das filigrane Gleichgewicht in diesem semifamiliären Gefüge zum Kippen, als sie eine Affäre mit ihrem Zweitvater Paul beginnt und natürlich prompt schwanger wird.<BR><BR>Philipp Stölzl, der bislang in der Musikvideobranche tätig war und sich mit Clips für Madonna, Westernhagen und Pavarotti einen Namen gemacht hat, verfilmt in seinem Spielfilmdebüt eine sperrige, spröde Geschichte. Aufgrund seiner früheren Tätigkeit war zu befürchten, dass "Baby" ebenso plakativ wie nichts sagend werden könnte. Doch Stölzl inszeniert seine dramatische Lolita-Version mit einem sicheren Instinkt für Farben, Geräusche, Gesichter und bietet zudem genügend Tiefgang.<BR><BR>Dies zeigt sich besonders in der sensiblen Kameraführung bei den Szenen auf dem Campingplatz in der zweiten Hälfte des Films. Stölzl arbeitet ausschließlich mit wohl gesetzten, düsteren Bildern, grau verhangenem Himmel und langen Kamerafahrten durch triste Wohnsilos. "Baby" ist kein kurzweiliger Spaß, sondern ein beklemmendes, wildes Road-Movie voller Experimente - und schon daher ungemein sehenswert. </P><P>(In München: Arena.)<BR><BR>"Baby"<BR>mit Filip Peeters, Lars Rudolph<BR>Regie: Philipp Stölzl<BR>Sehenswert <BR></P>

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