Planet der Affen: Primaten und Politik

München - Zum Start des aktuellen Films: „Planet der Affen“ war 1968 ein Sensationserfolg – seitdem fasziniert der Stoff.

Die Romanvorlage war ein Bestseller, die Geschichte zeitgemäß, der Hauptdarsteller ein Star, und inszenieren sollte einer der renommiertesten Regisseure Hollywoods. Dennoch zögerte das Filmstudio 20th Century Fox über ein Jahr, diese Verfilmung anzugehen, denn da gab es ein Problem: Die Protagonisten waren Affen, jedenfalls die meisten. Maskenbildner John Chambers tüftelte monatelang und hatte endlich ein Affen-Make-up entwickelt, das glaubhaft wirkte und den Schauspielern doch ihre Mimik ließ. Die Verwandlung in ein haariges Tier dauerte zwar fünf bis sechs Stunden, aber letztlich ließ sich Studioboss Richard D. Zanuck überzeugen. Seine größte Angst war es gewesen, im Kino Lachstürme zu entfachen, wenn Schauspieler sich zu Affen machen. Aber das Gegenteil trat ein: „Planet der Affen“ avancierte 1968 zum Sensationserfolg und wurde zu einem Klassiker des Science-Fiction-Genres.

Das lag neben der tatsächlich verblüffend guten Maskerade auch am Drehbuch, das den unruhigen Zeitgeist reflektierte. Rassismus, Intoleranz, Ignoranz und religiöse Verblendung: Autor Michael Wilson hatte sich da seinen ganzen Furor über die Zustände in seiner Heimat USA von der Seele geschrieben, denn natürlich war dieser Film über arrogante Affen, die entrechtete Menschen drangsalieren, eine hinterhältige Parabel. Zanuck war in einer Zwickmühle: Er erkannte das Potenzial des Films, der dem Land den Spiegel vorhielt. Der Studioboss hatte zugleich aber keinerlei Lust auf Ärger in aufgewühlten Zeiten, in denen eine Radikalisierung Fahrt aufnahm, die die USA bis heute in unversöhnliche Lager trennt. Also erklärte Zanuck „Planet der Affen“ zum Abenteuerfilm, was er unbestreitbar auch war. Erfolg hatte die Produktion aber, weil sie gestattete, grundsätzlich und militant Zivilisationskritik zu üben. Die avantgardistische Musik von Jerry Goldsmith unterstrich, dass es eben kein Abenteuerfilm für die ganze Familie war.

Der Erfolg veranlasste Zanuck, sofort Fortsetzungen nachzuschieben – aber Regisseur Franklin J. Schaffner hatte keine Lust und drehte lieber „Patton“, mit dem er dann einen Oscar gewann. Hauptdarsteller Charlton Heston konnte nur mit sehr viel Überredungskunst, also mit Geld, zu einem Kurzauftritt bequatscht werden – er bestand aber darauf, am Ende des zweiten Films den Affenplaneten in einer atomaren Katastrophe untergehen zu lassen. Diese Forderung basierte wohl auf der naiven Hoffnung, weitere Fortsetzungen verhindern zu können. Konnte Heston nicht.

Es folgten drei Filme, in denen die Vorgeschichte erzählt wurde, und mit jedem fiel das Niveau, bis 1973 mit „Schlacht um den Planet der Affen“ der schmachvolle Tiefpunkt erreicht war. Wegen sinkender Einspielergebnisse hatte Zanuck die Budgets immer weiter gekürzt, bis die Produktionen nach drittklassigem Kasperletheater aussahen. „Die Schlacht um den Planet der Affen“ kostete kaum mehr, als beim ersten Film allein für Make-up und Kostüme ausgegeben worden war. Die Geschichte war zu Ende erzählt, das Thema durch, auch wenn man mit einer Fernsehserie und einer Zeichentrickreihe das Interesse aufrecht erhalten wollte. Allerdings vergeblich. Erst im Jahr 2001 belebte Hollywood-Sonderling Tim Burton die Affen wieder und inszenierte seine Neuverfilmung enger an der Romanvorlage von Pierre Boulle.

Dennoch war der Aufschrei unter den Fans groß – nicht nur, weil das tricktechnische Spektakel Nuancen des Originals nicht zuließ, sondern vor allem weil Mark Wahlberg, nun ja, eben nicht Charlton Heston war, sondern ein Muskelberg mit exakt einem Gesichtsausdruck. Burton interessierte sich nicht wirklich für die Mechanismen politischer Macht und Unterdrückung, sondern tat, was er immer tut: Er erzählte von Außenseitern, in diesem Fall eben von einer rebellischen Schimpansendame und dem Menschen, der sich nicht unterordnen will. Sein „Planet der Affen“ wurde dennoch ein Kassenhit – vielleicht sogar, weil der Film letztlich völlig frei von gesellschaftlicher Reflexion war.

Nun wiederholt sich die Geschichte – fast jedenfalls. Weil eine Fortsetzung nicht möglich ist, wurde 2011 in „Prevolution“ eben die Vorgeschichte nochmals erzählt. Allerdings nahm man dafür viel Geld in die Hand und leistete sich einen Stilbruch: Erstmals kamen die Affen vollständig aus dem Computer, was die Fans naturgemäß zu leidenschaftlichen Diskussionen veranlasste. Wichtiger war aber: „Prevolution“ war wieder politisch, mit Widerhaken.

Die gesellschaftliche Stimmung war umgeschlagen. Burton hatte seinen „Planet der Affen“ vor dem 11. September in die Kinos gebracht, das erscheint aus heutiger Sicht fast so lange her wie 1968. In „Prevolution“ ging es dann um Widerstand, um die Organisation einer Revolte, um die regelrecht schmerzhafte Ignoranz der Menschen, die ihren eigenen Untergang forcieren. In dieselbe Richtung geht nun der Film „Planet der Affen – Revolution“, der am Donnerstag in unsere Kinos kommt: Hier geht es um die Möglichkeit einer Verständigung, um ein gemeinsames Überleben von Affen und Menschen. Und es geht darum, wie die Menschen es versauen, weil ein Trottel genügt, um mehr Schaden anzurichten, als 1000 Menschen Gutes tun könnten. Klingt vertraut, gerade in diesen Zeiten.

Zoran Gojic

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