Poesie der Apokalypse

- "Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Es gibt kein Schicksal, außer dem, was wir aus uns selber machen." Der erste Satz von "Terminator 3: Rebellion der Maschinen" gibt den Takt vor. Alles, was im Folgenden geschieht, lässt sich als eine Widerlegung dieser These verstehen, der hier formulierten Idee selbst bestimmter Freiheit. Die Hoffnung, dass die Zukunft offen ist, die in "Terminator 2" geradezu rührend geweckt wurde, wird in diesem Film mit Härte dementiert. "Terminator 3" wiederholt die Ausgangslage von "Terminator 2": Zwei Maschinen werden aus der Zukunft entsandt, die gute Maschine (Arnold Schwarzenegger) ist der bösen hoffnungslos unterlegen.

<P>Zehn Jahre sind vergangen, John Connor, zukünftige Hoffnung der Menschheit ist ein junger Mann geworden. Der neue, ihn bedrohende Killer-Cyborg T-X hat das Aussehen einer Frau: Kristanna Loken spielt das mörderische Wesen, das Blut leckt, um im Schnellverfahren seine Opfer zu ermitteln - zugleich kalte und tödliche Geste. In allem, auch ihrem Aussehen, erinnert Loken an die Kühle eines klassischen Hollywood-Stars, eine Femme fatale, mehr Joan Crawford als Veronica Lake. Der Humor, der beiden Maschinen-Figuren eigen ist, beruht vor allem auf der Lakonie ihrer Gesten und Sprüche. Alles ist reine Effizienz, die Mimik aufs Minimum reduziert.<BR><BR>Das Gegenbild verkörpert das Paar John (Nick Stahl) und Catherine (Claire Danes), die den guten Terminator in der Zukunft zu ihrer eigenen Rettung erschufen. Auch diese Menschen folgen eigentlich nur ihrer Programmierung. Das Schicksal ist eben vorbestimmt, der Terminator dient nur dessen Exekution. Zunächst erlebt man Actionroutine: Verfolgungsjagden, Explosionen jeder Art - alles ist technisch perfekt und wirkt zugleich nostalgisch, klassisch. An "Terminator 3" gefällt, dass er auf sichtbare Computereffekte und den modischen comic-artigen Inszenierungsstil völlig verzichtet. Für einen Augenblick wird er zum Road-Movie, der den amerikanischen Traum noch einmal träumt, um ihn dann im Dunkel zu verschlucken. Das Ende ist apokalyptisch. Es trägt viel zum bleibenden Eindruck bei.<BR><BR>Lange lässt dieser Schluss einen rätseln, was dieser Film sagt über die Gegenwart, eine Gesellschaft, die ihr eigenes Ende imaginär vorweg nimmt. Es geht dabei nicht um die innere Erzähllogik, die hakt, sondern um den dahinter stehenden Fatalismus: "Unsere Bestimmung war nie, Judgement Day zu verhindern. Sie war, ihn zu überleben." Das ist die überaus bittere, ethisch wie politisch fragwürdige Botschaft, die der Film vermittelt. Gewiss: Es gibt eine Poesie der Apokalypse. Allzu deutlich aber bricht sich hier auch ein kollektives Unbewusstes Bahn. "Terminator 3" ist der Gründungsmythos einer Vorkriegsgesellschaft.</P><P> (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Leopold, Münchner Freiheit, Cadillac, Rio, Autokino, Gabriel, Cinema und Museums-Lichtspiele i. O.)</P><P>"Terminator 3"<BR>mit Arnold Schwarzenegger, Kristanna Loken, Claire Danes<BR>Regie: Jonathan Mostow<BR>Sehenswert </P>

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