Ich war Präsident, Killer und Engel

- John Travolta (53) ist seit 30 Jahren ein Star und hat mit Filmen wie "Saturday Night Fever" oder "Pulp Fiction" Kinogeschichte geschrieben. Sein neuer Streifen "Born to be wild" (Start am 19. April) erzählt von vier Spießern, die es ihrer Umwelt noch einmal zeigen wollen und auf Motorrädern durch die Gegend kurven. ZurDeutschland-Premiere ist Travolta nach München gekommen. Der Scientology-Anhänger präsentiert sich unkompliziert und sympathisch, er hat sogar ein paar Brocken Deutsch vorbereitet.

John Travolta: Wie geht‘s?

Sie sprechen Deutsch?

Travolta: Ich haben zwei Jahr in den Schule gelernt.

In "Born to be wild" dreht sich alles um die sogenannte Midlife-Krise. Hatten Sie selber schon diese Erfahrung?

Travolta (nun wieder auf Englisch): Ich kann aufrichtig sagen: Nein. Aber es gab einen Denkprozess. Als ich 50 wurde, dachte ich mir: Wie viele Sommer bleiben mir noch, wie gesund bin ich überhaupt? Das beschäftigte mich gut ein Jahr lang. Aber dann dachte ich mir, dass viele gar nicht so alt werden wie ich, und da begann ich, das Leben wieder zu genießen.

Die Midlife-Krise hat ja auch mit Bedauern zu tun.

Travolta: Auf keinen Fall. Ich hatte ein tolles Leben und viel mehr erreicht, als ich je zu hoffen gewagt hatte. Etwas zu bedauern ist Zeitverschwendung.

Bedauern Sie nicht doch manche ihrer Filme?

Travolta: Mit meiner Karriere bin ich zufrieden. Wenn mir jemand vor 30 Jahren gesagt hätte, was für wunderbare Rollen ich spielen würde, hätte ich es nicht geglaubt. Ich war ein Präsident, Killer, ein Engel und jetzt sogar eine Frau.

Welche Rolle würden Sie gerne noch spielen?

Travolta: Ich habe keine Ahnung. Ich bin auf die Fantasie von Autoren angewiesen. Ich hätte keine der Rollen, die ich gespielt habe, für mich erfinden können. Ich stelle dar, was sich ein anderer ausdenkt. Das ist meine Arbeit.

Das klingt allerdings etwas kokett für jemanden, der mit "Saturday Night Fever" und "Pulp Fiction" die Popkultur nachhaltig beeinflusst hat.

Travolta: Nicht jeder Film hat einen derartigen Einfluss. Ich habe das Glück, gelegentlich in Filmen vorzukommen, die dem Publikum offenbar etwas Besonderes vermitteln. Aber man weiß es vorher nie. Bei "Saturday Night Fever" dachte ich, das wird ein kleiner Außenseiter-Film, der keinen Menschen interessiert. Für mich sollte das einfach nur ein erster Schritt ins Geschäft sein.

Nun drehen Sie gerade mit Ihrer Tochter einen Film. Viele Schauspieler wollen Ihre Kinder vom Showgeschäft fernhalten. Sie nicht?

Travolta: Wenn Sie meine Tochter kennen würden, wüssten Sie, dass ich gar keine Wahl habe.

Und Sie haben sich nicht gewehrt?

Travolta: Meine Frau ist auch Schauspielerin. Wir haben beide diesen Beruf, seit wir Teenager sind. Film ist unser Geschäft. Das ist wie bei anderen Familienunternehmen auch ­ die Kinder übernehmen irgendwann das Geschäft der Eltern. Bei Sportlern wundert sich ja auch niemand, wenn das Kind sportlich ist.

Das Gespräch führte Zoran Gojic

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