Präzise Komödie des Missverstehens

- Barbara (Hannelore Elsner) soll zum ersten Mal ihrer Tochter begegnen, die sie vor Jahren beim Vater zurückließ. Heute ist Ilke erwachsen, will nun mit der Vergangenheit reinen Tisch machen, die Mutter finden. Am Anfang hat man Ilke im Zug gesehen, auf der Fahrt nach Berlin. Dort begegnet sie einem Mann, der sich später als Barbaras Gatte entpuppt.

<P>Konstruiert? Mag sein. Aber bei Hitchcock, Hawks, Lubitsch, den ganz Großen also, findet man derartige Konstruktionen in jedem Film. Und sie sind es, an denen Rudolf Thome Maß nimmt _ was ihn selbst zu einem der wenigen macht, die man künstlerisch ernst nehmen muss im deutschen Kino.</P><P>Wie die meisten Filme von Thome spielt auch dieser in einer Welt, die ganz präzis gezeichnet und doch märchenhaft ist. Mit "Rot und Blau" beginnt Thome eine Trilogie, die er "Zeitreisen" getauft hat und in der Hannelore Elsner jeweils die Hauptrolle spielt. Als Barbara verkörpert sie eine Frau, die plötzlich ihr eigenes Leben nicht mehr versteht. Die Komödie des Missverstehens und Wiederfindens, die nun beginnt, ist nur Teil der größeren Comé die Humaine, die Thomes eigentliches Thema ist. </P><P>Darin wie auch in der Beiläufigkeit und Selbstverständlichkeit seiner Erzählweise und dem Hang, seine Filme zu Reihen zu ordnen, ähnelt Thome den französischen Meistern, vor allem Rohmer. Das ist nicht nur schön anzusehen, es ist auch spannend. Selten ist Kino so sehr ein Blick in den Spiegel und ganz Gegenwart. </P><P>"Rot und Blau"<BR>mit Hannelore Elsner, <BR>Hanns Zischler<BR>Regie: Rudolf Thome<BR>Hervorragend </P>

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