Da prallten zwei Generationen aneinander

- In den letzten 15 Jahren hat sich jeder Regisseur von internationalem Rang und Namen für das Projekt interessiert: Martin Scorsese, Ridley Scott oder Tim Burton wollten "Das Parfum" von Patrick Süskind verfilmen. Pustekuchen! Süskind wollte die Rechte nicht verkaufen.

Erst Bernd Eichinger gelang es vor sechs Jahren, den Autor zu überzeugen, dass Tom Tykwer der richtige Regisseur wäre -und Eichinger der passende Produzent –, um die Geschichte des Mädchenmörders Grenouille auf die Leinwand zu wuchten. "Das Parfüm" ist Tykwers erster Spielfilm im historischen Gewand, und diese zeitliche Entfernung von knapp 300 Jahren ließ den gebürtigen Wuppertaler anfangs kurz zögern, ob er das Angebot von Bernd Eichinger annehmen sollte. Nach der Uraufführung letzten Donnerstag läuft "Das Parfum" am 14. September an.

Stimmt es, dass Sie niemals einen Historienfilm drehen wollten?

Tom Tykwer: Nein, das ist nicht richtig. Ich probiere gerne Neues aus, und da passt mir ein Genrewechsel selbstverständlich ins Konzept. Allerdings musste ich mich mit der Idee, einen Kostümfilm zu drehen, erst einmal vertraut machen.

Bernd Eichinger ist ja bekannt für seine Überzeugungskraft...

Tykwer: Nachdem ich erkannt hatte, dass der Stoff mich etwas angeht, obwohl er in der Vergangenheit spielt, und dass ich aus dem Roman einen sehr subjektiven Film machen kann, war die Sache eigentlich geritzt. Ich hätte niemals mit diesem Mammutprojekt begonnen, wenn ich nicht gemerkt hätte, da gibt es eine Grundidee, die liegt mir. Da weiß ich was dazu. Der Rest war dann nicht mehr kompliziert. Wichtig war uns beiden nur, dass wir uns gut verstehen. Und das war so vom ersten Treffen an.

Wie viel Mitspracherecht hatte Eichinger während der Dreharbeiten und im Schneideraum?

Tykwer: Ich habe alle meine Filme mit starken Produzenten an der Seite gedreht, und gemeinsam mit starken Produzenten habe ich eine Produktionsfirma gegründet. Ich brauche eine enge Zusammenarbeit. Nicht nur mit dem Produzenten, auch mit den anderen Mitarbeitern. Ohne meinen Kameramann wäre ich genauso wenig wert wie ohne meinen Ausstatter oder eben auch ohne Produzent. Das geht gar nicht ohne einander. Es ist ein Trugschluss zu denken, der Regisseur dreht den Film alleine. Wir sind ein Team, eine Familie, die sich für jeden Film etwas verändert und letztlich für jedes neue Projekt eine neue gemeinsame Sprache entwickelt. Mit Bernd Eichinger ist ein starker, interessanter Einfluss dazu gekommen, der uns sehr inspiriert hat.

In einer Familie fliegen gelegentlich auch die Fetzen.

Tykwer: Die Arbeit war ausschließlich harmonisch. Durch das gemeinsame Drehbuchschreiben wussten wir, wann man sich lieber mal aus dem Weg gehen sollte. Das ist wie in einer Beziehung. Da gibt es auch schwierige Tage.

Wie sah denn ein solcher Tag aus?

Tykwer: Es gibt immer Szenen, die weiß man anfangs erst nicht recht anzupacken. Aber man kriegt gottseidank ja immer wieder die Kurve...

Welche Szene war das zum Beispiel?

Tykwer: Eine war etwa die zwischen Grenouille (Ben Wishaw) und dem alten Parfumeur Baldini, gespielt von Dustin Hoffman. Da prallen zwei Menschen mit unglaublich verschiedenen Energien, verschiedenen Schauspielsystemen und dazu auch noch aus zwei verschiedenen Generationen aufeinander. Da muss man sich wahnsinnig konzentrieren auf deren jeweilige Stärken und gleichzeitig im Auge behalten, dass niemand vernachlässigt wird, dass diese Schauspielarten zueinander finden und dass man das Ganze auch noch genießen kann. Inszenatorisch gesehen war das für mich eine größere Herausforderung als die Massenszenen. Die haben‘ s zwar ebenfalls in sich, aber anders.

Inwiefern?

Tykwer: Ich möchte durch die Menge im Hintergrund ein Gefühl der Echtheit vermitteln. Wir haben uns mit jedem einzelnen Komparsen beschäftigt, damit er genau weiß, was er zu tun hat. Er sollte seine Klamotten schon vorher tragen und durchschwitzen und einfach ein Gespür für die damalige Zeit bekommen. Wir wollten den maximalen Naturalismus.

Über drei Jahre haben Sie sich mit dem Projekt befasst. Hat‘s Ihnen nicht manchmal gestunken, das "Parfum"?

Tykwer: Wenn ich einmal zu etwas ja gesagt habe, bin ich außerordentlich insistent. Dann bin ich wie Grenouille oder wie ein Zeck und harre einfach aus, bis es wieder aufwärts geht. Ich habe noch nie, wenn ich vorher davon überzeugt war, ein Projekt wieder fallen lassen können. Beim "Parfum" gab es ehrlich gesagt auch niemals einen Anlass dafür. Es gab zwar immer mal wieder Schwierigkeiten. Allein schon, einen passenden Hauptdarsteller zu finden. Aber ich wusste die ganze Zeit über, dass die Vision, die ich von diesem Film habe, wirklich Substanz hat und dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Ich hatte nie einen Moment, in dem ich ernsthaft daran gezweifelt habe, dass wir das hinkriegen.

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