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Geschundenes Mädchen: Precious, sensationell gespielt von Gabourey Sidibe, die damit ihr Filmdebüt gibt.

"Precious": Erwachen aus dem Albtraum

Das hier ist weniger ein Film denn ein Schlag ins Gesicht. Die Geschichte der Ckaireece Jones, die sich selbst Precious nennt, ist die Ansammlung der schlimmsten Zumutungen.

Das war auch die Idee hinter der Romanvorlage „Push“, in der die Autorin Sapphire einen Albtraum von Leben beschreibt. Precious ist 16, schwarz, schwer übergewichtig, funktionale Analphabetin und bereits zum zweiten Mal schwanger. Ihre Familienverhältnisse als schwierig zu bezeichnen, wäre eine grobe Untertreibung. Der Vater ihrer Kinder ist gleichzeitig ihr eigener, und er taucht nur zuhause auf, um Precious zu misshandeln. Die Mutter lebt von der Wohlfahrt und tut nichts. Außer ihrer Tochter das Leben zur Hölle zu machen. Ein Konstrukt, in dem viel zugespitzt wird, das dennoch in der Wirklichkeit verwurzelt ist.

Regisseur Lee Daniels setzt das folgerichtig aus der Sicht der Protagonistin wie eine wahre Biografie um. Das verleiht dem Film eine beunruhigende Kraft. Der Film nähert sich dieser zerdrückten Existenz nicht analytisch, sondern emotional. Die verheerenden Umstände werden im Vorbeigehen geschildert, ohne sie erklären zu wollen. Das bewahrt den Film davor ein aufdringliches Moralstück zu werden. Und das wiederum ist sehr wichtig, denn sonst würde man das Märchen, das Precious in Wahrheit ist, kaum hinnehmen. Denn dank einer glücklichen Fügung landet Precious bei der Lehrerin Ms. Rain, die so ist, wie Precious gerne wäre. Attraktiv, klug, selbstbewusst, mit heller Haut und gertenschlank. Ausgerechnet diese Frau wird zum Schutzengel für Precious, die erstmals Anteilnahme erfährt.

Die Debütantin Gabourey Sidibe spielt diese Precious sensationell. Wie sie versucht, unsichtbar zu werden, weil sie sich schämt für ihr Gewicht, für ihre dunkle Haut, ihr bloßes Dasein, ist grandios zurückgenommen dargestellt. Ihre Intensität überträgt sich körperlich auf das Ensemble. So sind die bewegendsten Stellen jene geworden, in denen die Schauspieler sichtlich selbst von ihren Emotionen mitgerissen wurden. Ein Rührstück ist es dennoch nicht, dazu ist der Film politisch zu brisant, was die kontroversen Reaktionen in den USA erklärt. Neoliberale sahen sich durch die Schilderung eines verrotteten Wohlfahrtssystems bestätigt. Aber sie haben nicht genauer hingesehen. Precious schafft den Ausstieg aus Apathie und Perspektivlosigkeit durch eigene Anstrengung, insofern ist der Film uramerikanisch. Den Impuls dazu und die notwendige Hilfe bekommt sie von Helfern im Staatsdienst.

Von Zoran Gojic

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