An Preise denke ich nicht

- Der Berliner Regisseur Christian Petzold (44) ist einer der wichtigsten deutschen Filmemacher. Bekannt wurde er 2000 mit "Die innere Sicherheit". Es folgten die arte-Produktionen "Toter Mann" und "Wolfsburg", die jeweils mit Grimme-Preisen ausgezeichnet wurden. Nun ist Petzold mit den "Gespenstern" erstmals im Wettbewerb der Berlinale vertreten. Wie alle Filme Petzolds eine Arbeit voller Understatement: stiller Psychothriller und kleines Meisterwerk.

<P>Können Sie Ihre Erwartungen auf die Wettbewerbsteilnahme bei der Berlinale beschreiben?<BR><BR>Petzold: Der Film ist gerade fertig. Da ist man immer leicht nervös. Denn damit gehört der Film nicht mehr mir, er ist öffentlich. Er gehört nun den Menschen, die ihn sehen - ob sie ihn annehmen oder abstoßen. Darauf freue ich mich. Im Berlinale-Wettbewerb ist die Aufmerksamkeit natürlich besonders hoch. An irgendwelche Preise denke ich wirklich nicht.<BR><BR>Für einen Außenstehenden ist das schwer nachzuvollziehen. Ich stelle mir vor: Man findet manche Filme blöd', würde sich ärgern, wenn sie einen Preis bekämen; in anderen Fällen sagt man sich innerlich: Der ist schon stark. Insgeheim aber hofft man doch auf irgend etwas für sich.<BR><BR>Petzold: Ich kenne den Wettbewerb ja bisher nur als Zuschauer. Da erlebe ich es genau so. Eine Preisvergabe versucht, einem Festival immer rückwirkend eine Erzählung zu geben. Die Kritiker haben eine andere Erzählung. Die Jury ist ja nicht blind, sondern sie sieht etwas. Im besten Fall ist das dann so, wie mit Cronenberg als Jurypräsident in Cannes, der "Rosetta" den Preis gab. Und im schlimmsten Fall sieht man, dass da eine Handvoll Leute kein Interesse hat und sieben Länder und drei Minderheiten bedient werden mussten. Ich hoffe, dass bei dieser Berlinale die Erzählung gut ist - wie in den beiden letzten Jahren mit den Siegen von Michael Winterbottom und Fatih Akin.<BR><BR>Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat natürlich auch seine Erzählung. Die handelt von der neuen Wirtschaftsmacht des deutschen Films und von Events. Dazu gehört auch, dass Roland Emmerich - nicht gerade berühmt für künstlerische Glanzleistungen, sondern eher für aufwändiges Massenkino - nun Jurypräsident ist. Das gefällt nicht allen. Was denken Sie darüber?<BR><BR>Petzold: Ich kann und will dazu nichts sagen. Eine Jury, wenn sie gut ist, verselbstständigt sich immer . . .<BR><BR>Ihre Filme wirken in der deutschen Filmlandschaft singulär. Sie selbst gehören zu einer Zwischengeneration. Wo sehen Sie sich? <BR><BR>Petzold: Das ist eine Frage der Filme, die einen geprägt haben. Mich sicherlich das Kino von New Hollywood, dann alte Polizeifilme, die die Stadt als Schauplatz ernst nehmen. Und natürlich das französische Kino. <BR><BR>Wovon handelt Ihr Film "Gespenster"?<BR><BR>Petzold: Er erzählt eine kleine Reise, die zwei Mädchen unternehmen. Ein Straßenkind und ein Heimkind: Nina, das Waldmädchen, das von Toni, dem Stadtkind, in die Stadt getrieben wird. Hinzu kommt die Geschichte einer Mutter, die ihre verlorene Tochter sucht und glaubt, sie in Nina zu entdecken.<BR><BR>Ein Märchen?<BR><BR>Petzold: Irgendwann hatte ich eine Vorstellung von einem märchenhaften Szenario: viel Bäume, dahinter die Stadt und ein Waisenmädchen, an dem Märchenspuren kleben. Bei den Brüdern Grimm werden oft Kinder im Wald ausgesetzt und leben da bei den Wölfen, Hexen oder in verwunschenen Erdspalten. Dann müssen sie diesen Wald verlassen . . .</P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland</P>

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