+
Udo Lindenberg kurz vor der Premiere des Films über seine jüngste Deutschlandtour im Foyer des Hotel Atlantic, wo der 66-Jährige lebt. Regisseur Hannes Rossacher zeigt in seiner sehenswerten Dokumentation auch unbekannte Facetten des Künstlers, den nur wenige ohne Hut und Sonnenbrille kennen.

Einfach Udo: Premiere der Lindenberg-Doku

Hamburg - Großes Kino mit Udo: Den Hut tief in die Stirn gezogen tänzelt der Panikrocker energiegeladen über den roten Teppich in Hamburg zur Premiere seines Films „Mit Udo Lindenberg auf Tour: Deutschland im März 2012 – ein Roadmovie“.

Was für ein grandioses, stimmungsgeladenes Werk. „Der Film gehört auf die große Kinoleinwand“, sagt Schauspieler Joachim Król nach der Vorführung begeistert.

Ungewohnt nah lässt der Musiker in diesem Roadmovie die Zuschauer an sich und seine Panikrocker-Familie ran, lässt sie teilhaben an der ausverkauften Frühjahrstour „Ich mach mein Ding“ quer durch die Republik, gewährt einen Blick hinter die Kulissen, hinter die mit dunkler Sonnenbrille geschützte Fassade. Der österreichische Regisseur Hannes Rossacher, der bereits Stars wie Whitney Houston, Queen oder die Rolling Stones mit seiner Kamera auf ihren Tourneen begleitet hat, schafft es, den von Zigarrenrauch umwaberten Ausnahmekünstler in all seinen Facetten zu zeigen, ohne dabei den Mythos Lindenberg zu entzaubern.

Charmant erzählen Freunde und Wegbegleiter wie Jan Delay, Peter Lohmeyer und Peter Maffay Anekdoten aus dem Alltag mit Lindenberg. Dabei kommt so manches Detail zu Tage, das man hinter der rauen Schale des Panikrockers vielleicht gar nicht vermutet hätte. So erinnert sich Ben Becker daran, wie Lindenberg ihm spontan unbedingt seinen Lieblingsleuchtturm an der Elbe zeigen musste. Udos Fotografin und „Komplizin“ Tine Acker verrät, dass der Musiker schlecht allein sein kann und es genießt, auf der Straße erkannt zu werden, Autogramme zu geben.

Der Rocker selbst redet offen und ehrlich über die Zeit, als der große Erfolg ausblieb und der Whiskey im Mittelpunkt stand. Bewegend spricht seine Schwester Inge Lindenberg über den plötzlichen Tod des älteren Bruders. Der Maler Erich Lindenberg, der seit 1969 sein Atelier in München hatte, starb 2006 mit 67 Jahren. Dieser Verlust „hat uns noch mal erwachsener gemacht“, erzählt Inge Lindenberg. Das Lied „Stark wie zwei“ ist ihm gewidmet. Es ist nicht die einzige Stelle im Film, an der so mancher im Publikum zum Taschentuch greift.

„Ich bin ganz gerührt“, gibt auch Sängerin Nena zu. „Er menschelt, er ist süß, er ist warm und charmant“, schwärmt sie über Lindenberg, mit dem sie seit Jahrzehnten befreundet ist. Auch Regisseur Rossacher ist begeistert: „Das war ein Traum mit Udo so eine lange Dokumentation zu machen“, sagt er und beschreibt Lindenberg als Mensch mit sehr großem Herzen. „Natürlich ist Udo auch eine Diva. Aber das muss man auch sein, wenn man auf dieser Flughöhe ist.“

„Machen, machen, vielleicht mal hinfallen aber weitermachen“, diese Eigenschaft schätzt Joachim Król besonders an Lindenberg. Dessen Künstlertum könne man nun zusammengefasst in diesem Film erleben. „Wir haben leider zu wenige wie Udo Lindenberg in unserem traurigen Land“, bedauert der „Tatort“-Kommissar. Das Unverbiegbare, die Ecken und Kanten schätzt auch Peter Urban, TV-Journalist, Moderator und langjähriger Kommentator des Eurovision Song Contest, an seinem „guten Freund“. Urban kennt Lindenberg seit rund 40 Jahren. „Damals spielte ich mit meiner Band im ,Onkel Pö‘ und Udo machte spontan mit“, erinnert er sich und freut sich über die Rückkehr Lindenbergs auf die ganz großen Bühnen.

Das unglaubliche Comeback des Deutschrockers scheint Lindenberg selbst zu überraschen: „Ich muss mich jeden Morgen kneifen, ob das alles wahr ist“, sagt der Wahlhamburger an diesem Abend. Aber die „goldene Chemie“ hätte bei dieser Tour einfach gestimmt. „Es ist doch erstaunlich, was man alles erreichen kann, wenn man nichts gelernt hat.“

Auch wenn sich eine solch „geile Tour“ wohl nicht mehr wiederholen lasse – ans Aufhören denkt der 66-Jährige nicht. „Auch nach 40 Jahren ist die Power ungebrochen, und es geht weiter und weiter und weiter.“

„Er ist erfüllt von seinem Erfolg“, sagt Tine Acker im Film. „So glücklich sehe ich Udo selten. So will ich ihn immer haben und so soll es immer weitergehen.“ Man wünscht es ihm. Das Roadmovie mit Live-Mitschnitten von seiner Tour gibt es ab 26. Oktober auf DVD und am 1. Dezember im Ersten zu sehen – leider erst um 23.45 Uhr. Dabei ist auch NDR-Intendant Lutz Marmor begeistert von diesem Film, der von Warner Music, Starwatch, NDR und Arte in Auftrag gegeben wurde. „Das sind gut angelegte Gebühren“, befindet Marmor.

Dass die Fans noch einiges erwarten können von Lindenberg, zeigt er mit einem neuen Song zum Schluss der Dokumentation. „Nimm dir das Leben – und lass es nicht mehr los“ heißt es in der Single „Das Leben“, die am 19. Oktober erscheint. Eine Ballade mit Gänsehautgarantie. Udo pur. Ganz großes Kino.

Stefanie Backs

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spinoff zur eigentlichen "Star Wars"-Saga konkretisieren sich. 
Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff

Kommentare