+
Regisseur Michael Haneke, gerade in Cannes für „Das weiße Band“ mit der Goldenen Palme geehrt, bekommt in München den CineMerit Award.

Eine Empfehlung von Freunden

Das Programm des Münchner Filmfests

Zugkräftige Namen, ein verjüngstes Team und streitbares Kino: Das ist das Programm des Münchner Filmfests.

„Das sind Filme, die mich getroffen haben. Wenn das bei Ihnen nicht so ist: Kommen Sie, und hauen Sie mir den Film um die Ohren.“ Das sagt Robert Fischer, einer der Programmer, auf der Pressekonferenz des Filmfests München. Und bringt damit schön das Gefühl auf den Punkt, das einem die Vorstellung des diesjährigen Programms vermittelt: Es ist eine Auswahl, hinter der persönliche Leidenschaften, Überzeugungen stehen – und über die man (Gott sei Dank) auch wird streiten können. Oder wie Festivalleiter Andreas Ströhl formuliert: „Wir zeigen, was wir für die besten Filme der Welt halten.“

Äußerlich bleibt zwischen dem 26. Juni und 4. Juli fast alles beim Gewohnten, bei den etablierten Reihen und dem guten Dutzend Preisverleihungen. Wichtigste Neuerung ist die Begleitveranstaltung filmtonart in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk: Am Vorabend des Festivals (25. Juni) gibt das Münchner Rundfunkorchester ein Auftaktkonzert im Prinzregententheater, tags darauf finden mehrere prominent besetzte Diskussionsveranstaltungen rund um die Filmmusik statt.

Doch Ströhls stark verjüngtes Team scheint in seinem zweiten Jahr das bewährte Gerüst mit mehr Profil zu füllen. Mit den unvermeidlichen Festival-Zwängen, dem Proporz- und Kalküldenken, kann es offenbar gut umgehen.

Was an zugkräftigen Namen versammelt ist, ist über jeden cineastischen Zweifel erhaben: Michael Manns „Public Enemies“ mit Johnny Depp und Christian Bale, die Uraufführung des neuen Andreas-Dresen-Films „Whisky mit Wodka“, Pedro Almodóvar mit seinen ergreifend reifen „Zerrissenen Umarmungen“. Dazu unter anderem Steven Soderbergh, Kathryn Bigelow, Takeshi Kitano, Samira Makhmalbaf. Und die Quasi-Premiere eines „neuen“ Romy-Schneider-Films: In Gestalt einer Doku über den nie fertiggestellten „L’enfer“ von Henri Clouzot.

Dass dabei auch streitbares Kino erwünscht ist, zeigt schon die Auszeichnung Michael Hanekes mit dem CineMerit Award. Auf die Komplett-Retrospektive der feinsinnig-ironischen Filme von Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, „The Queen“) dürften sich jedoch wirklich alle freuen. Abschlussfilm ist eine belgische Produktion, die in Cannes für Aufsehen sorgte, weil Regisseur und Hauptdarstellerin nackt über die Croisette radelten.

Nach seinen Favoriten gefragt, nennt Ströhl „This is not a Robbery“, eine Doku über einen 93-jährigen Bankräuber, und „Know your Mushrooms“, einen verschrobenen Lehrfilm über Pilze. „Das ist vielleicht der kleinste Film, den wir haben.“ Aber genau für solche Entdeckungen sollte ein Festival da sein. Als eine Empfehlung von Freunden.

Von Thomas Willmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

 NSU-Morde in Schwarz-Weiß - Dokumentarfilm im Kino
Die Mordserie des NSU hat Deutschland erschüttert. Nun neigt sich der Prozess gegen die mutmaßliche Mittäterin Beate Zschäpe dem Ende zu. An die Morde, an die …
 NSU-Morde in Schwarz-Weiß - Dokumentarfilm im Kino

Kommentare