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Hier stimmt was nicht: Eigentlich sollte Chris (Daniel Kaluuya) nur die Eltern von Rose (Allison Williams) kennenlernen. Doch der Antrittsbesuch läuft anders als erwartet.

Provokant und praranoid

Psychothriller „Get out“: Horror trifft Humor

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München - Der Fernsehkomiker Jordan Peele inszenierte sein brillantes Regiedebüt „Get out“ als provokanten Psychothriller.

Es ist eine klassische Albtraum-Situation: Der Bräutigam in spe soll den zukünftigen Schwiegereltern endlich seinen Antrittsbesuch abstatten. Besonders unwohl fühlt sich dabei der junge New Yorker Fotograf Chris (Daniel Kaluuya aus „Sicario“), denn er ist ein Schwarzer, und die Familie seiner attraktiven Freundin Rose (Allison Williams aus der TV-Serie „Girls“) gehört zur weißen Oberschicht. Obwohl die Begrüßung auf dem schicken Landsitz auffallend herzlich ausfällt, ahnt Chris bald, dass hier etwas nicht stimmt. Warum betont Roses Vater (Bradley Whitford), ein angesehener Arzt, so penetrant, dass er am liebsten Obama noch ein drittes Mal gewählt hätte? Warum will Roses Mutter (Catherine Keener), eine Psychologin, Chris unbedingt durch Hypnose von seiner Nikotinsucht befreien? Und warum schleichen die afroamerikanischen Hausangestellten wie Automaten mit eingefrorenem Lächeln durch die Gegend?

Horror und Humor vermischt TV-Komiker Jordan Peele in seinem brillanten Regiedebüt „Get out“ zu einem provokanten Paranoia-Psychothriller. Der Autor und Regisseur schafft eine konstant bedrohliche Atmosphäre aus ambivalenten Andeutungen; er jongliert virtuos mit Vorurteilen und nimmt die geheuchelte Toleranz seiner Landsleute satirisch aufs Korn. Damit konnte er nicht nur bei den Kritikern punkten, sondern auch den Überraschungserfolg der Saison an den US-Kinokassen landen. Völlig zu Recht, denn sein explosiver Film ist bis hin zum verhältnismäßig konventionellen Finale extrem clever konstruiert, fein beobachtet, verdammt lustig und nachhaltig verstörend. Dazu braucht er keine psychopatischen Killer, keine gefräßigen Zombies, keine übersinnlichen Spukgestalten oder Fantasy-Kreaturen. Hier lauert das Grauen hinter der fratzenhaft freundlichen Fassade der politischen Korrektheit: Das wahre Monster ist der latente Rassismus.

„Get out“

mit Daniel Kaluuya Regie: Jordan Peele Laufzeit: 104 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Die Frauen von Stepford“ mochten.

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