News-Ticker: Barcelona-Anschlag: Vierter Verdächtiger von der Polizei festgenommen

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Weg der Qual

- Man kann verstehen, was den Produzenten Artur Brauner an dem Projekt "Der letzte Zug" faszinierte. Beruhend auf Erinnerungen der wenigen Überlebenden steht hier die Vorhölle des Holocaust im Mittelpunkt: Das unsagbare Leiden der Verfolgten des Nazi-Terrors begann schon auf dem tagelangen Transport in die Todeslager. In Viehwaggons gedrängt und ohne Verpflegung wird hier die Vernichtung der Opfer eingeleitet, die dann in den Gaskammern vollzogen wird. Es ist ein ungewohnter, verstörender Blick in die Todes-Maschinerie ­ schließlich begann der Schrecken unter den Augen jener, die später behaupteten, sie hätten von den Lagern im Osten nichts gewusst.

Auch der Film beginnt mit dem Alltag oder genauer: mit dem willkürlichen Herausreißen von deutschen Juden aus ihrem Alltag. Weil Adolf Hitler zu seinem Geburtstag ein "judenfreies Berlin" geschenkt werden soll, werden am 19. April 1943 die letzten verbliebenen Berliner Juden verhaftet und in den Zug nach Auschwitz gesteckt. Am Bahnhof drängen sich verzweifelte Menschen, die trotz aller Befürchtungen nicht einmal ahnen können, welche Tortur auf sie wartet.

Geschenk für Hitler

Quälend langsam wird es den Menschen bewusst. Ein Eimer Wasser für die Verpflegung von über 100 Menschen und ein leerer Eimer für die Notdurft. Das Konzept des Films ist dabei so einfach wie bestechend: Die Kamera bleibt fast ausschließlich in einem Wagen und beobachtet, was geschieht, wenn Alte, Kinder, Kranke in einem stickigen Waggon ohne Lebensmittel auskommen müssen. Konflikte um die Verteilung der knappen Ressourcen und die richtige Strategie (Flucht oder Abwarten) brechen aus.

Ein grandioser Film hätte das werden können, weitab formelhafter Weltkriegs-Schinken. Aber der uninnovative Joseph Vilsmaier (erstmals im Verbund mit Ehefrau Dana Vavrova) hat die Regie übernommen . Und Vilsmaier tut, was er seit jeher getan hat. Er liefert plattes Volkstheater auf der Leinwand ab. In diesem Fall erfüllt das mitunter fast den Tatbestand der Obszönität. Wie gedankenlos er mit Stereotypen umgeht, ist geradezu erschreckend.

Elend und Hoffnungslosigkeit der Menschen wird nie greifbar. Stattdessen inszeniert Vilsmaier die Ausbruchsversuche in "Indiana-Jones"-Manier als dramaturgischen Höhepunkt. Als ob es das Problem der Menschen gewesen wäre, in einem Zug gefangen zu sein. Ihr Problem war, dass ihr Heimatland dabei war, sie zu töten.

Das Drehbuch von Stephen Glantz (der auch das Buch zum großartigen "Babij Yar" schrieb) trägt dem Rechnung ­ immer wieder erinnern sich die Menschen an ihren Alltag vor der Nazi-Herrschaft ­ ein bizarrer Gegensatz zum Albtraum, in dem sie sich nun befinden. Vilsmaier freilich handelt das ohne jedes Gespür ab. Darunter zu leiden haben vor allem die Schauspieler. Gedeon Burkhard oder Sibel Kekilli haben kaum eine Möglichkeit, der bleiernen Inszenierung Charaktere abzuringen. Ein Film, der gut gemeint ist und dabei eine große Gelegenheit vertut.

"Der letzte Zug"

mit Sibel Kekilli, Gedeon Burkhard

Regie: Joseph Vilsmaier/

Dana Vavrova

Erträglich

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