Die Qualität muss erstklassig sein

- Die Erwartungen sind hoch, wenn heute Abend das 23. Filmfest München (bis 2. Juli) eröffnet wird. Zum zweiten Mal trägt Andreas Ströhl als Leiter des Filmfests die Verantwortung für alles. Der Erfolg des Vorjahres macht die Sache nicht leichter. An den Besucherrekord von 2004 hofft man in diesem Jahr anknüpfen oder ihn gar überbieten zu können.

Mit welchen Erwartungen starten Sie? Was ist Ihnen das Wichtigste?Ströhl: Persönlich ist für mich das Wichtigste, dass wir jetzt ein ganz normales Filmfest erleben - nach den vielen Veränderungen des letzten Jahres, die aus Sicht mancher überfällig waren: die Abtrennung des Hochschulfilmfests, die Abschaffung der Experimentalfilmreihe, die deutliche Verschlankung der TV-Filmreihe, schließlich die Einführung der Isarmeile.Es gibt Stimmen, die meinen, das seien noch nicht genug Veränderungen; manche hatten sich von Ihrem Antritt mehr versprochen.Ströhl: München wird immer ein Publikumsfestival bleiben. Wir wollen den Menschen interessante Filme bieten, keine Blockbuster, aber auch nicht nur schwierige Avantgarde.Die deutsche Reihe ließ zuletzt zu wünschen übrig. In diesem Jahr wirkt sie stärker: Mit Gordian Mauggs "Zeppelin" haben Sie einen tollen, sehr ungewöhnlichen Film, mit Christoph Hochhäusler ("Falscher Bekenner") und Benjamin Heisenberg ("Schläfer") zwei der interessantesten deutschen Filmemacher.Ströhl: Sie präsentieren ein Kino, das mir sehr nahe ist. Wir müssen neue Talente entdecken. Zudem müssen wir international noch attraktiver werden - ausländische Gäste, die hierher kommen, wollen sich übers deutsche Kino informieren. Die Qualität muss gerade in dieser Sektion erstklassig sein.Trotzdem Sie "Falscher Bekenner" mögen, wurde der Film nicht für den Regieförderpreis nominiert - von einer Nominierungsjury, die keiner kennt -, was nach dem Cannes-Erfolg völlig unverständlich ist.Ströhl: Da müssen Sie die Preisstifter nach den Gründen fragen. Es gibt angeblich eine Nominierungsjury, die dafür zuständig ist.Auch das Preisgeld beim renommierten Förderpreis ist um 25 Prozent gekürzt, zudem wird der Münchner Preis noch zusätzlich dadurch geschwächt, dass es nun auch in Hof einen "Förderpreis" der gleichen Stifter geben wird. Schwächt das nicht das Filmfest?Ströhl: Nein. Das geht das Filmfest nichts an. Die Kürzungen und der Preis in Hof haben strategische Gründe auf Seiten der Hypovereinsbank, die ihre fränkische Präsenz stärken wollten. 60 000 Euro sind immer noch ein Haufen Geld. Und der Preis ist weniger aufgrund seines Geldes wichtig, als durch seine Erfolgsgeschichte. Aus fast jedem Preisträger ist etwas geworden.Das Filmfest ist in diesem Jahr durch einen Japan-Schwerpunkt mit drei Sektionen geprägt. Was war der Anlass?Ströhl: Zunächst natürlich ein ästhetischer. Japan ist eines der wichtigsten Filmländer, und das japanische Kino ist sehr interessant. Hinzu kommt: Die EU hat derzeit ein Japan-Jahr, da gab es gute inhaltliche wie finanzielle Möglichkeiten.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland

Auch interessant

Kommentare