Qualvoller Untergang

- Er war ein unwiderstehliches Monster. Man konnte ihm nichts abschlagen, gesteht seine Ex-Frau Myriam Bru. "Wir hatten eine glückliche Kindheit, glaube ich", erinnert sich die Tochter. "Ich wollte ihn zeigen, wie er war", erklärt der Sohn die Motivation, einen Film über den eigenen Vater zu drehen. Der Regisseur dieses außergewöhnlichen und intimen Porträts heißt Christopher Buchholz. Sein Vater war Horst Buchholz, der noch während der Dreharbeiten 2003 überraschend an einer Lungenentzündung starb. Er war 69. Viel zu jung. "Aber er war müde in den letzten Jahren und hatte das Gefühl, im Dé´jà`-vu zu leben", beschreibt der Sohn das Familienoberhaupt. "Ich wollte zeigen, wie tief man fallen kann."

Ein prekäres Unterfangen, wenn der Sohn den Vater porträtieren will. Doch dies gelingt Christopher Buchholz auf eindringliche, schonungslose Weise, und gleichzeitig glückt ihm das Kunststück, den Papa dabei nie wirklich zu demontieren oder sein Andenken zu beschädigen. Über einen Zeitraum von drei Jahren besucht der Sohn den Vater in dessen Berliner Dachwohnung, um ihn vor laufender Kamera zu befragen. Anfangs zu Leben und Werk. Da holt Horst aus, erzählt Anekdoten, und der abgemagerte Kettenraucher erwacht wie durch Zauberhand zu neuem Leben. Aber die Fragen werden unbequemer, und die Ausflüchte des Vaters deutlicher. "Warum trinkst du so viel?", bohrt der Sohn. "Ich trinke zu viel Wasser", entgegnet der Alte und bricht das Gespräch ab.

Zunehmend widerwilliger folgt der Ältere dem Gespräch. Doch den Filius beeindruckt das nicht. Er lässt Bruchstellen und Narben, wo sie sich offenbaren. Hakt nach, bis Horst Buchholz nur noch unruhig auf dem Sofa herumrutscht, hält auch das bockige Schweigen des Vaters lange aus. Kombiniert mit Super-8-Aufnahmen aus dem von der Mutter gepflegten Archiv, Interviews mit Verwandten entwirft der Regisseur ein Bildnis seines berühmten Papas, das ihm angemessen ist, gleichzeitig aber immer kritisch bleibt. Christopher Buchholz hat seinem Vater ein würdiges Denkmal gesetzt, indem er zwei Filme in einem drehte: einen über den Star und Vater und einen über die Tragödie eines qualvollen Untergangs.

(In München: Monopol.)

"Horst Buchholz - Mein Papa"

Regie: Christopher Buchholz,

Sandra Hacker

Sehenswert

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