Quiz und Komik

- Noch bis kurz vor seinem Tod war der Meister mit Korrekturen beschäftigt. Die h-moll-Messe sollte Johann Sebastian Bachs Vermächtnis auf dem Gebiet des römischen Messordinariums werden. Dafür komponierte er Neues und "recycelte" frühere Stücke. Doch der Zweistünder wurde mehr: ein Opus summum nicht nur Bachs, sondern der gesamten abendländischen Musikgeschichte.

Ein Jahrtausendwerk, vor dessen Komplexität und Emotionalität sogar noch unsere zeitgenössischen Tonschöpfer die Knie beugen.

Nur verständlich also, dass mancher diesen ungeheuerlichen Wurf nicht "nur" einer Konzertsituation überlassen möchte und sich an einer Verbildlichung versucht. Vor zehn Jahren schuf etwa Achim Freyer eine grandiose Inszenierung für die Schwetzinger Festspiele, nun wagte Bastian Clevé´ eine Kino-Version der h-moll-Messe.

Zu den 27 Teilen drehte er ebenso viele, durch einige Bild-Ideen lose miteinander verknüpfte Kurzfilme. "Eine visuelle Assoziation" sollte "Klang der Ewigkeit" werden. Und das scheint doch arg hoch gegriffen: Clevé´ spielt vor allem auf der Klaviatur der (digitalen) Effekte. Da werden Figuren in Breughel-Gemälden lebendig, da fliegen einer Klosterruine Steine zu, auf dass das Gebäude wieder entsteht. Einige Szenen sehen aus wie ein hübsches Kaleidoskop, andere taugen nur als Bildschirmschoner.

Clevés Film bewegt sich zwischen Kunst-Quiz, kitschig-schönen Landschaftsaufnahmen, rührender Naivität und unfreiwilliger Komik. Dass er das Opus mitsamt seiner liturgischen Bedeutung nicht nachbuchstabiert, dass er also visuelle Kontrapunkte setzen will, das ehrt ihn. Doch nur im "Et resurrexit", als Breakdancer zu Bachs auffahrender Rhythmik durchs Bild wirbeln, ist ihm das wirklich gelungen.

Wenigstens versöhnt der "Soundtrack", eine Neueinspielung mit Helmuth Rilling, und hier vor allem mit den Solisten Anke Vondung und Christian Gerhaher. Fürs Kino-Erlebnis ein bisserl wenig. (Ab morgen in München: Forum-Kinos.)

Markus Thiel

"Klang der Ewigkeit"

Regie: Bastian Clevé

Erträglich

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