Da rauschen einem noch lange die Ohren

- "Passt eigentlich gar nicht", denkt man sich zuerst. Barbara Rudnik, die ätherische Schönheit aus unzähligen Fernsehkrimis, gerne auch als "deutsche Cathé´rine Deneuve" gehandelt, soll eine Wiesn-Bedienung spielen? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Passt aber sehr gut. Das erweist sich nach nur wenigen Minuten von "Oktoberfest". Der Episodenfilm von Johannes Brunner, der am letzten Tag der Wiesn spielt, läuft morgen an. Und die stärksten, anrührendsten Szenen gehören der Kellnerin Birgit alias Barbara Rudnik.

In den letzten Jahren waren Sie vorwiegend auf die Rolle der unterkühlten, Geheimnis umwitterten Blondine abonniert. Diesmal wirken Sie ganz ungeschminkt und sehr bodenständig . . .

Rudnik: Ich habe mich dieser Figur genähert, nachdem ich kurz vorher ohne Pause zwei andere Filme gedreht hatte. Ich hatte also schon 50 Drehtage am Stück auf dem Buckel, als wir mit "Oktoberfest" begonnen haben. Ich war einfach am Ende, das sollte ich für die Rolle der Birgit ja auch sein.

Dann war also die sichtliche Erschöpfung gar nicht gespielt?

Rudnik: Nein (lacht). Aber im Ernst: Dass es kein Zuckerschlecken ist, als Bedienung auf der Wiesn zu arbeiten, ist sicherlich jedem klar. Aber ich hatte es mir doch anders vorgestellt. Inzwischen würde ich sagen: Die Lautstärke ist das Anstrengendste, wenn man den ganzen Tag in einem Bierzelt verbringt. Da rauschen einem abends noch mindestens zwei Stunden lang die Ohren. Klar, die Menschen, die Hitze, der Rauch, die Hektik beim Servieren, das macht einem auch ordentlich zu schaffen. Aber der Lärm war für mich rückblickend das Schlimmste.

Was hat Sie an dieser Schinderei im überfüllten Bierzelt, an der Figur dieser verhärmten und vom Leben enttäuschten Frau so besonders gereizt?

Rudnik: Ursprünglich hatte Johannes Brunner mir eine andere Rolle angeboten. Deswegen habe ich das Buch gelesen; der Part der Birgit hat mir am besten gefallen. Das hat mich sofort angesprochen, ihr Schicksal hat mich sehr unmittelbar berührt. Dieses Am-Wendepunkt-Stehen kenne ich zwar persönlich noch nicht, aber ich kann es gut nachvollziehen. Und so sagte ich dann, ich würde gerne mitspielen, aber bitte die Birgit. Ich mag Menschen, denen das Leben nicht alles in den Schoß gelegt hat und die kämpfen können für ihren Traum. Mal ganz abgesehen davon, ist eine solche Figur natürlich immer reizvoller zu spielen als eine Frau, die von der ersten bis zur letzten Filmminute nur glücklich in die Kamera lächelt.

Der ganze Film wurde vergangenes Jahr wirklich auf der Wiesn gedreht. Ohne Proben, mitten im größten Getümmel. Wie lief das ab?

Rudnik: Das Erstaunliche war, dass die Kamera im Zelt nur in nächster Nähe überhaupt wahrgenommen wurde. Da haben dann gelegentlich mal ein paar Leute geschaut, wenn ein Schauspieler gefolgt von einem Kameramann und einem Beleuchter durch die Sitzreihen lief. Aber eigentlich hat sich da kaum jemand drum gekümmert. Das ging alles in der Masse unter. Drei Meter weiter hat schon niemand mehr mitbekommen, was wir da treiben. Ich war erstaunt darüber, wie wenig wir aufgefallen sind. Offensichtlich ist man als Besucher doch zu sehr damit beschäftigt, ans nächste Bier zu kommen oder mit dem Nachbarn zu reden, zu singen oder zu prosten, als sich sehr um das Drumherum zu scheren.

Aber man konnte doch sicher nicht verstehen, was der Partner in einem Dialog gerade gesagt hat?

Rudnik: Wir haben viel improvisiert, aber wir mussten auch unheimlich viel nachsynchronisieren. Das ist ganz logisch in so einem Getümmel. Schon wegen der Musik von der Kapelle. Jeder hatte zwar ein Mikrofon angesteckt, aber wir konnten oft wirklich nur an den Lippen des anderen ablesen, dass man jetzt gleich seinen Einsatz hat.

Werden Sie heuer auf die Wiesn gehen?

Rudnik: Klar, ich gehe da gerne hin. Aber nicht zu diesen Schickimicki-Events, bei denen man immer fotografiert wird. Das ist eher Arbeit. Gesicht zeigen, Kontakte knüpfen oder halten. Solche Dinge eben. Aber privat mit ein paar Freunden gehe ich wirklich gerne. Und ich denke, den Spaß daran konnten mir auch die anstrengenden Dreharbeiten nicht austreiben.

Das Gespräch führte Ulrike Frick

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