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Der Realität den Rücken gekehrt

- Das wahre Leben war den Deutschen 2002 offenbar zu öde, um es sich auch noch im Kino anzuschauen. Fast alle großen Filmhits des Jahres verhalfen dem Publikum zur Flucht in andere Welten: in Fantasiereiche, die Zukunft oder in computergenerierte Landschaften. Unter den deutschen Produktionen war es denn auch vor allem Nachwuchshexe "Bibi Blocksberg", die für magische Momente an den Kinokassen sorgte. Außerhalb der Kinosäle aber tobte die Realität in der Branche mit voller Grausamkeit. In der Börsenkrise ging der Verleiher Kinowelt unter, und die Ufa-Filmtheater machten Pleite.

<P></P><P>Nachdem im Flutsommer die Zuschauerzahlen eingebrochen waren, müssen zum Jahresende die Fortsetzungen zweier Großproduktionen die Umsätze wieder auf ein durchschnittliches Niveau hieven. Derzeit liefern sich "Harry Potter" und "Der Herr der Ringe" ein spannendes Duell um das beste Einspielergebnis. Im vergangenen Jahr hatte der englische Zauberlehrling die Nase vorn: "Harry Potter und der Stein der Weisen" verzeichnete bis zum Frühjahr über zwölf Millionen Zuschauer, "Der Herr der Ringe _ Die Gefährten" schaffte es auf knapp elf Millionen. Die Potter-Fortsetzung "Die Kammer des Schreckens" hat bislang eine Marke von 8,3 Millionen Besuchern vorgelegt. Der neue "Ringe"-Film hat dafür in Deutschland laut Verleih den besten Filmstart aller Zeiten hingelegt. In der ersten Woche wollten 2,6 Millionen Menschen den Streifen sehen.</P><P>Auch der Rest der zehn erfolgreichsten Filme des Jahres hat dem wahren Leben konsequent den Rücken gekehrt. Der einzige Top-Film, der in einigermaßen echtem Ambiente angesiedelt ist, ist das Ganovenstück "Ocean's Eleven" (4,3 Millionen Besucher), das in der Glitzerstadt Las Vegas gedreht wurde. Ansonsten wollten sich die Zuschauer im Kino offenbar lieber davon überzeugen, dass es für den Einsatz digitaler Effekte im Action- und Fantasy-Genre kaum noch Grenzen gibt.</P><P>Die Animationsfilme "Ice Age" (7,1 Millionen) und "Die Monster AG" (3,3 Millionen) beeindruckten mit rein digitalen Charakteren. Effekte aus dem Computer ermöglichten die irrwitzigen Kletteraktionen von "Spider Man" (5,2 Millionen). Sie gaben George Lucas für "Star Wars - Episode II" (5,7 Millionen) und Steven Spielberg für "Minority Report" (2,6 Millionen) die kreative Freiheit zur Erschaffung spektakulärer Science-Fiction-Welten. Und ohne virtuell entwickelte Hingucker wäre auch das neue James-Bond-Abenteuer "Stirb an einem anderen Tag" eher fade.</P><P>Dagegen hatte es selbst der Oscar-Abräumer des Jahres, "A Beautiful Mind" mit Russell Crowe, schwer. Immerhin: Das Drama über das Leben des schizophrenen Mathematik-Genies John Nash landete noch auf Platz elf der deutschen Jahrescharts. Wenn schon nicht den größten Filmhit, so brachte die Oscar-Nacht doch den weiblichen Superstar des Jahres hervor: Halle Berry, die mit tränenerstickter Stimme feierte, dass Hollywood erstmals zwei Schwarzen - ihr und Denzel Washington - die Preise für die besten Hauptrollen zuerkannt hatte.</P><P>Deutsche Produktionen dagegen sorgten nur selten für Freudentränen. Neben "Bibi Blocksberg" (zwei Millionen Besucher) nahmen nur zwei Filme die Million-Zuschauer-Hürde: die Klamotte "Knallharte Jungs" (eine Million) und Caroline Links Literaturverfilmung "Nirgendwo in Afrika" (1,3 Millionen), die auch für den "Golden Globe" nominiert ist. Keine Zuschauermagneten, dafür Leckerbissen für Cineasten waren die beiden besten deutschen Filme des Jahres: Andreas Dresens "Halbe Treppe" und die Ein-Frau-Show "Mein letzter Film" mit Hannelore Elsner überzeugten durch starke Charaktere aus dem echten Leben - und ganz ohne künstliche Fantasiewelten.</P>

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