Stolpern durch Berlin: die zauberhafte Anna Anderegg und Henning Gronkowski.

Regie-Rebell Klaus Lemkes "Berlin für Helden"

München - Ja, auch das kann Kino sein: schnell und unkompliziert erzählt. In einer Sprache, die nebenan gesprochen wird und der nicht in der x-ten Drehbuchfassung die Seele ausgetrieben wurde.

Mit Menschen, die es nie gelernt haben, zu schauspielern, die aber selbst in der Überforderung noch ehrlich wirken. Und mit einer Kamera- und Schnitttechnik, die dem Augenblick geschuldet ist und nicht dem Lehrbuch. Dramaturgie, geradliniges Erzählen, stringente Geschichten – all das entspringt für Klaus Lemke einer Beamtenmentalität, mit der er so gar nichts anfangen kann.

Der Münchner Filmemacher, durch Produktionen wie „Rocker“ längst im Legenden-Status angekommen, interessiert sich für letzteren einen feuchten Dreck. Die deutsche Kinolandschaft ist für ihn „obrigkeitshörig“ und „seit 40 Jahren gelähmt wie Hamlet“. Deshalb arbeitet Lemke ohne staatliche Filmförderung, ohne professionelle Schauspieler und ohne Drehbuch.

Das scheitert manchmal, dann schmeißt er den Film weg – ohne dass ihn einer zu sehen bekäme. Manchmal droht Lemke sich zu verzetteln wie in seiner München-Produktion „Schmutziger Süden“ (2010). Und manchmal dreht der „Straßenräuber des deutschen Films“ kleine Perlen wie jetzt „Berlin für Helden“. Lemke beobachtet einige Typen, wie sie ihren Träumen hinterherstolpern, allzu oft auf dem Asphalt der Realität aufschlagen – und es erneut versuchen.

Gebannt schaut man zu, weil Lemke zum einen wieder einmal bewiesen hat, dass er wundervoll wahrhaftige Figuren vor der Kamera aufeinanderprallen lassen kann. Seine Entdeckung hier: Anna Anderegg. Zum anderen pulst durch „Berlin für Helden“ anarchistischer Spaß, prickelnde Verführung – und das Leben selbst. Ja, auch das kann Kino sein. Ein Glück. (In München: Münchner Freiheit, Arena)

Michael Schleicher

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