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Den Golden Globe für das beste Drama hat Alexander Payne (re). am 15. Januar erhalten. Am 26. Februar entscheidet sich, ob der Regisseur mit „The Descendants“ auch bei den Oscars dominiert. Bereits morgen startet der Film in den Kinos

Regisseur lästert über Clooneys geschmacklose Hemden

München - Alexander Payne spricht im Interview über seinen neuen Film „The Descendants“, der am Donnerstag in den Kinos startet, und George Clooneys geschmacklose Hemden. Außerdem verrät er sein Rezept für einen guten Film.

Kaum ein Filmemacher bringt menschliche Schwächen so humorvoll auf den Punkt wie Alexander Payne: Für „Election“, „About Schmidt“ und „Sideways“ hat er mehr als 50 Preise gewonnen, darunter den Drehbuch-Oscar für „Sideways“. Beim Filmfestival von Dubai sprachen wir mit dem 50-jährigen Autor und Regisseur über seine neue Tragikomödie „The Descendants“, die gerade mit dem Golden Globe als bestes Drama ausgezeichnet wurde, gestern für fünf Oscars nominiert wurde (siehe Artiel oben) und morgen in unsere Kinos kommt.

Ihr Hauptdarsteller George Clooney wird bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Haben Sie ihm das Drehbuch auf den Leib geschrieben?

Nein. Als Filmemacher sind Sie ein Sklave der Umstände: Um einen Film wie „The Descendants“ finanzieren zu können, brauchen Sie einen zugkräftigen Star. Das heißt, Sie sind davon abhängig, wer zu der Zeit, in der Sie drehen wollen, gerade zufällig berühmt und verfügbar ist. Und von den in Frage kommenden Darstellern war Clooney einfach der Geeignetste.

"Clooney war einfach scharf darauf"

Warum?

Er hatte das ideale Alter für die Rolle. Und die richtige Hautfarbe, um glaubwürdig einen Mann mit hawaiianischen Wurzeln zu verkörpern. Beim Film besetzt man ja – anders als beim Theater – vorwiegend nach dem Aussehen. Deshalb sind viele Stars so schlechte Schauspieler: Sie werden trotzdem engagiert, weil sie tolle Gesichter haben. Clooney bildet natürlich eine Ausnahme. Er ist bemerkenswert vielseitig.

Im Film wirkt er ungewöhnlich verwundbar.

Ja. Aber wenn man ihm ein gutes Drehbuch gibt, dann kann er alles spielen. Und ich glaube, meine Drehbücher bieten Schauspielern ordentlich Futter. Clooney als verletzlicher Familienvater – die Vorstellung fand ich sehr reizvoll. Ich dachte: Ich habe zwar schon Tom Hanks weinen sehen, aber noch nie George Clooney!

In Ihrem Film trägt er die geschmacklosesten Hemden seiner Laufbahn. Freiwillig?

Ja! Er hat für die Rolle sogar eine Zeit lang mit dem Fitnesstraining aufgehört und völlig auf Make-up verzichtet, weil wir wollten, dass seine Filmfigur etwas heruntergekommen wirkt. Clooney war einfach scharf darauf, diesen Typen überzeugend zu spielen. Und die Hawaiianer ziehen sich wirklich so an!

Paynes Erfolgsrezept: Mut zur Einfachheit

Ihr Film erzählt eine traurige Geschichte, doch es gibt auch viel zu lachen.

Ja, weil ich Komödien liebe! Wann immer sich eine Gelegenheit für Humor bietet, ergreife ich sie. Aberwitziges findet sich überall – auch in den furchtbarsten Dingen.

Stimmt es, dass George Clooney am Set ständig Witze reißt?

Ja. Das spornt ihn an – sogar dann, wenn eine ernste Szene auf dem Drehplan steht. Das kommt mir sehr entgegen: Ich versuche stets, eine heitere, lockere, stressfreie Atmosphäre zu schaffen. Denn nur dann fühlen sich die Schauspieler so frei, dass sie bereit sind, vor der Kamera etwas zu riskieren.

Jack Nicholson sagte einmal, Sie seien der einzige Regisseur, der am Set nie herumschreit. Gibt es nichts, was Sie auf die Palme bringt?

Sie meinen, abgesehen von Krieg, Armut und Ungerechtigkeit? (Lacht.) Doch, die Dummheit mancher Leute regt mich manchmal auf – vor allem, wenn sie meinen Film gefährdet. Vielleicht sollte ich wirklich mal anfangen zu brüllen. Aber ich schätze, ich bin einfach zu nett!

Wie schaffen Sie es, dass die Darsteller in Ihren Filmen stets so natürlich wirken?

Authentizität ist mir besonders wichtig. Beim Drehen stehe ich immer neben der Kamera und frage mich: „Glaube ich das, was ich sehe?“ Und wenn ich zu viel Schauspielerei sehe, sage ich: „Hör’ auf zu spielen! Sei einfach du selbst!“ Mein Ziel ist es, einen ähnlichen Grad an Naturalismus hinzubekommen wie der iranische Film „Nader und Simin“. Aber gegen dieses Meisterwerk sind meine eigenen Filme Pipifax.

Trotzdem schaut man Ihren Schauspielern gespannt zu – obwohl nichts Spektakuläres passiert.

Ja, Gott sei Dank! Die simplen, zutiefst menschlichen Alltagsgeschichten sind doch meistens die besten. Die perfekte Handlung für einen Kinofilm könnte zum Beispiel so aussehen: „Mann braucht Fahrrad. Fahrrad wird gestohlen. Mann sucht Fahrrad. Mann stiehlt Fahrrad.“ Mehr ist gar nicht nötig. Man muss nur den Mut zur Einfachheit haben. Und das ist nicht immer ganz einfach. (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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