Neo im Reich der Selbstbespiegelung

- Nichts ist, wie es scheint. Eine schwer durchschaubare Matrix gaukelt den Menschen eine falsche Realität vor. Dies ist der Plot der "Matrix"-Filmtrilogie, deren zweiter Teil, "Matrix Reloaded", heute ins Kino kommt. Atemberaubende Bilder und alte Mythen - mit dem Überraschungserfolg "Matrix" revolutionierten die australischen Brüder Larry und Andy Wachowski vor vier Jahren das Kino.

<P>Es war vor allem die Verbindung zwischen der archetypischen Geschichte einer Selbstbefreiung, dem freudianischen Dilemma, in dem es um Traum und Wirklichkeit, Freiheit und Zwang ging, und einer ausgefeilten, anspielungsreichen, dabei immer ironisch-gelassenen visuellen Sprache, die sich ihrer selbst bewusst war, ohne sich in postmoderne Selbstbespiegelung und Effekthascherei zu verlieren. Im Rückblick erscheint der Film als stilbildend, die erste gelungene poetische Verbindung von Fernost-Kampfkunst und Hollywoodkino. <BR><BR>Auch die intelligente Story hielt stand: Gespickt mit Zitaten aus japanischen Comics, postmoderner Theorie und christlicher Erlösungsmythologie, mit Technikglauben und Paranoia, ließen sich immer neue Aspekte dieser apokalyptischen Zukunftsvision entdecken. "Matrix" ist bereits ein Klassiker. Jede Fortsetzung des Films hat es schwer, den aus diesem Auftakt folgenden Anspruch zu erfüllen. Hatte der erste Teil fast in jeder Hinsicht Neuland betreten, durfte man vom zweiten zumindest wieder ungesehene Bilder erhoffen.<BR><BR>Doch aus der zeitgemäßen Variante von "Alice im Wunderland" wird im zweiten Teil eine Reise ins Reich der Selbstbespiegelung. Schon die Handlung ist krude. Der zum messianischen Superheld gewordene Hacker Neo (Keanu Reeves) muss eine Aufgabe lösen: Der geheimnisvolle "Schlüsselmacher" soll aufgespürt werden, weil nur er den Weg ins Zentrum der "Matrix" kennt. Dies gibt zwar Anlass zu einer ununterbrochenen, recht eindimensionalen Abfolge von Kämpfen und Verfolgungsjagden - zu mehr aber nicht. Ohne Poesie, ohne neue Einfälle, ohne Humor und vor allem ohne Geist bleibt die reine Leere, die mit Hektik, schnellen Schnitten und viel Krawall nur mühsam überdeckt wird. "Reloaded", neu aufgeladen, ist daher der falsche Titel für das Resultat. Denn die Matrix dieses Films ist schnell zerrissen, die Illusionsmaschine, wenn man sich von Wucht und schierer Größe nicht täuschen lässt, alles andere, als perfekt. </P><P>- läuft hier im Kino </P><P>(In München: Apollo, Cadillac, Cinema i. O., Gloria, Leopold, Cincinnati, Gabriel, Mathäser, Maxx, Marmorhaus, Münchner Freiheit, Museum i. O., Rio, Royal, Solln, Autokino.)<BR><BR>"Matrix Reloaded"<BR>mit Keanu Reeves, Carrie-Ann Moss, Laurence Fishburne<BR>Regie: Andy und Larry Wachowski<BR>Erträglich </P>

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