Vom Reisen mit Handgepäck

München - Der dritte Teil der Trilogie "Das Bourne Ultimatum" startet heute in den Kinos. Der Film ist ein klassisches Drama und rasantes Leinwand-Spektakel.

Ein Killer ohne Gedächtnis, der seine Opfer mit maschinengleicher Effizienz zur Strecke bringt, selbst wenn die kleinen Reste seiner menschlichen Herkunft die Seele verdüstern. Das ist Jason Bourne, eine Kino-Action-Figur, die vage von Robert Ludlums Bestseller inspiriert ist, sich aber ähnlich wie James Bond dem literarischen Vorbild schnell entfremdet hat. Nach "Die Bourne Identität" und "Die Bourne Verschwörung" kommt der Gedächtnislose im dritten Film erstmals dem Geheimnis seiner Identität näher.

Zuvor allerdings muss er allerlei Mordanschläge und Verfolgungsjagden überstehen. Wie die Vorgängerfilme ist auch "Das Bourne Ultimatum" eine einzige atemlose, wilde Jagd. Dem Zuschauer bleibt so wenig Zeit wie dem Helden, nach rechts und links zu sehen, sich mit Figuren-Psychologie und Verständnisfragen aufzuhalten oder die Schauplätze dieses globalen Spektakels zu genießen. Ehe man sich versieht, hat man Moskau gen London verlassen, weiter geht es über Madrid und Tanger nach New York. Dort schließlich begegnet Jason Bourne seinem früheren Ich und wird, was er immer schon gewesen ist und nur vergessen hatte.

Der spezielle Reiz dieses Helden hat vor allem zwei Ursachen. Zum einen ist er einfach ein ganz und gar moderner Mensch: Ein Weltbürger, der überall ein bisschen, also auch nirgendwo zuhause ist; immer gestresst; ohne Ballast - sei es eine Familie, seien es Erinnerungen an die Vergangenheit, sei es auch nur der schwere Reisekoffer, den er nicht hat. Bourne reist immer nur mit Handgepäck.

Außerdem ist er aber ein Held der Romantik, gequält von seinem Unbewussten, das er sich verzweifelt bewusst zu machen sucht, ein Wesen, das fast wie das Monster Frankensteins künstlich erschaffen wurde und sich nun, an sich selbst leidend, gegen seinen Schöpfer wendet.

Seine Herkunft ist uns schon lange ein offenes Geheimnis: Bourne war ein Mann der CIA, die ihren Mitarbeiter einst einer Gehirnwäsche unterzogen hat. Nun ist dieses zwar porentief rein, nur die Moral steht irgendwie noch im Weg, denn Bourne hat zwar seine Seele verloren, aber nicht sein Gewissen.

Natürlich ist dieses düstere Porträt der CIA nicht ohne Hintersinn. Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit - oder unseren schlimmsten Vermutungen über diese - sind keineswegs zufällig, sondern unbedingt beabsichtigt. Wir sehen Folterpraktiken, Verweise auf Abu Ghraib, begegnen Menschen, die reden wie Richard Cheney. Die USA sind, das ist vielleicht das Erstaunlichste in diesem US-Unterhaltungsfilm, nicht mehr die Republik von Jefferson, sondern die Demokratie von Guantanamo.

Kaum überraschend führt uns die Story je zwei Frauen und zwei Männer vor, die auf Bourne einwirken, zumeist aus dem Hintergrund, die versuchen, die Fäden dieser identitätslosen Marionette in verschiedene Richtungen zu ziehen, während er sich ihrer zu entledigen sucht. Die beiden Männer entpuppen sich als böse und herzlos, als klassische Väter des freudianischen Dramas also. Dagegen sind die beiden Frauen die einzigen, auf die Jason Bourne sich verlassen kann - zwei Mütter-Gefährtinnen.

Entgegen allem Anschein ist die "Bourne"-Trilogie also keineswegs eine postmoderne Identitätstausch-Posse, sondern das zutiefst moderne weltbürgerliche Drama eines Subjekts, das am Ende eines langen, schmerzhaften Bildungsromans wieder zuhause ankommt und sich selbst gefunden hat - mag der Blick in den Spiegel auch schmerzlich sein.

Ein klassisches ödipales Drama - im Gewand eines, wenn auch nicht exzellenten, so doch immerhin überaus kurzweilig rasanten Actionfilms. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Cadillac, Autokino, Cincinnati, Neues Gabriel, Münchner Freiheit, Leopold, Cinema OV, Museumslichtspiele OV).

"Das Bourne Ultimatum"

mit Matt Damon, Julia Stiles

Regie: Paul Greengrass

Hervorragend

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