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Zwei, die sich aufmachen, die Prinzessin zu retten: Rick Kavanian als Ritter Erdal (li.) und Til Schweiger als Lanze in der Komödie "1 1/2 Ritter".

Interview zum Filmstart

"Gottschalk musste ich überreden"

Morgen meldet sich Til Schweiger mit der Mittelalter-Komödie "1 1/2 Ritter" nach seinem Erfolgsfilm "Keinohrhasen" in den Kinos zurück. Ein Gespräch mit dem Schauspieler, Regisseur und Produzenten und seinem Filmpartner Rick Kavanian.

Wer von Ihnen hat als Kind mit Rittern gespielt?

Schweiger: Ich. Es gab damals kleine Cowboyfiguren und eben auch Ritter - ich hatte eine Affinität zu beiden. Wir haben früher in einer Wohnsiedlung gewohnt, da lebten unheimlich viele Kinder. Es gab nur ARD und ZDF, und dort liefen nachmittags häufig Western oder eben Mantel- und Degenfilme. Je nach Sujet haben sich nach dem Film die Kinder im Hof getroffen und entweder die Holzschwerter ausgepackt oder die Pistolen.

Kavanian: Ich habe dagegen nur eine Erinnerung an Cowboy- und Indianerspiele. Ich hatte als Kind ein Indianerzelt im Zimmer stehen - und dort fand mein erster Kuss statt. Mit Rittern hatte ich nichts am Hut.

Verglichen mit "Keinohrhasen" ist "1 1/2 Ritter" ein Jungsfilm, oder?

Schweiger: Bei den Testvorführungen kam heraus, dass "1 1/2 Ritter" mehr die jüngeren Frauen begeistert als "Keinohrhasen". In erster Linie ist es aber ein Familienfilm, frei ab sechs Jahren.

Wer hatte die Idee?

Schweiger: Das war ein mehr oder weniger fertiges Drehbuch, das mir angeboten worden ist, um es zu produzieren und zu spielen. Es auch zu inszenieren - dazu habe ich mich ein bisschen bequatschen lassen. Eigentlich wollte ich als Regisseur eine Pause machen, bis wir "Keinohrhasen 2" nächsten Sommer drehen. Doch ich mochte den Ritter Lanze und die Idee, das Mittelalter einmal anders zu zeigen. Also hab ich auch gern die Regie übernommen.

Wie wurde aus Rick Kavanian der Ritter Erdal?

Schweiger: Wir kennen uns vom "(T)Raumschiff", haben wunderbar bei "Keinohrhasen" zusammengearbeitet und bei der Frage, wer den Ritter Erdal spielen könnte, bin ich sofort auf ihn gekommen.

Wie muss man sich die Arbeit vorstellen? Improvisieren Sie viel?

Schweiger: Dazu ist nicht so viel Zeit. Ich arbeite sehr schnell, drehe möglichst viele Einstellungen mit wenigen Wiederholungen - verliere aber auch Zeit als Regisseur, wenn ich mir die Szenen anschauen muss. Dennoch: Mit guten Schauspielern, die kreativ sind, entstehen immer neue Sachen. Rick hatte einige Ideen, die ich toll fand und bei denen ich sofort gesagt habe: "Das machen wir."

Zum Beispiel?

Schweiger: Die Szene, in der Ritter Erdal in die Zukunft blickt und Lanze prophezeit, dass dieses Land eines Tages von einer Frau mit seiner Frisur regiert werden wird.

Wie schwer ist es, die Heldenrolle anderen zu überlassen?

Schweiger: Na ja, Lanze ist eben ein anderer Held, steif und mit einer nicht sehr vorteilhaften Frisur. Aber das mag ich, er ist von allen Figuren, die ich bisher gespielt habe, mein absoluter Liebling. Und ich bin überzeugt, dass jeder Schauspieler immer besser wird, sobald er sich mit den Besten der Besten umgibt. Ich hole mir die Besten, die ich kriegen kann, und profitiere davon - als Filmemacher und Schauspieler.

Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Til Schweiger von der mit Michael "Bully" Herbig?

Kavanian: Was bei beiden auffällig ist: Wenn sie sich über eine gelungene Aktion freuen, neigen sie dazu, in ihren Heimatdialekt zu verfallen. Bully freut sich bairisch, beim Til wird’s leicht hessisch. Bemerkenswert bei beiden ist, dass sie den Film ganz genau im Kopf haben. Ich bin ja einer, der Spaß daran hat, sich einzubringen: "Til, was hältst du davon?" Und wenn er dann "nein" sagt, kann er mir das genau erklären. Da seh ich dann: "Okay, da hat sich einer noch besser vorbereitet als ich." Der Unterschied zu Bully ist, dass Til noch am Set schneidet.

Schweiger: Das hat einen Vorteil: Ich habe die gedrehten Szenen genau im Kopf und muss mir nicht noch mal alle Aufnahmen anschauen. Nur so kann man sechs Monate nach dem Dreh mit dem Film ins Kino kommen.

Wie bei "Keinohrhasen" arbeiten Sie bei "1 1/2 Ritter" mit vielen Gästen. Welcher Prominente hat darum gebeten, mitspielen zu dürfen?

Schweiger (grinst): Der Einzige, der mich wirklich genötigt hat, ihn zu besetzen, war Udo Kier. Der hat gesagt: "Til, du drehst einen Film nach dem anderen, und ich bin nie dabei. Das geht so nicht." Ich habe immer geantwortet: "Udo, eines Tages kommt eine Rolle für dich." Er ist ein wahnsinnig sympathischer Mensch und toller Schauspieler - und er hat eine Qualität, die ich für diesen Film brauche: Er ist der Bösewicht, und dennoch mag ihn der Zuschauer. So wie es sich für ein Märchen eben gehört.

Mussten Sie bei den anderen Promis viel Überzeugungsarbeit leisten?

Schweiger: Thomas Gottschalk war sich lange unsicher, weil er hier in Deutschland ja oft heftig kritisiert wird. Ich habe ihm gesagt: "Thomas, du bist bei uns in absolut guten Händen. Ich will einen tollen Thomas Gottschalk zeigen." Das ist uns gelungen.

War die Reise ins Mittelalter das Beste, um den Erwartungen nach dem "Keinohrhasen"-Erfolg auszuweichen?

Schweiger: Nein. "Keinohrhasen 2" ist unvermeidlich - da wäre der Druck nur verschoben. Den Erfolg von "Keinohrhasen" sollte man als etwas Besonderes sehen.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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