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Robert Pattinson in der Rolle des James-Dean-Fotografen. Demnächst kommt sein neuer Film "Life" raus.

Geständnis des Schauspielers

Pattinson: "Paparazzi machten mein Leben zur Hölle"

München - Robert Pattinson stellt in München seinen neuen Film "Life" vor. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht er über seine James-Dean-Phase und den Umgang mi der "Twilight"-Hysterie.

Weltberühmt wurde er als bleicher Vampir in der „Twilight“-Saga. Seitdem hat Robert Pattinson unter anderem zwei Filme mit David Cronenberg („Cosmopolis“ sowie „Maps to the Stars“) und einen mit Werner Herzog gedreht („Königin der Wüste“). Von Donnerstag an ist der 29-jährige Brite in Anton Corbijns Drama „Life“ im Kino zu sehen.

Sie spielen den Fotografen Dennis Stock, der James Dean zum Star machte. Ist Dean für Ihre Generation noch immer eine Ikone?

Definitiv. Vor allem wegen seiner Körperlichkeit. Ich glaube, dass bis heute jeder Schauspieler irgendwann durch eine Phase der James-Dean-Obsession geht. Ich hatte diese Phase so mit 17: Damals habe ich bei jedem Casting eine Art Dean-Imitation abgeliefert – egal, um welche Rolle es ging.

Hatten Sie je so ein enges Verhältnis zu einem Fotografen wie Dean zu Stock?

Nein, aber mit einem Journalisten der Zeitschrift „Entertainment Weekly“. Von ihm stammt das erste große Porträt über mich. Das ist ziemlich cool geworden, weil wir uns wirklich gut verstanden haben: Wir gingen in eine Bar und haben uns betrunken.

Würden Sie so etwas gern wieder tun?

Nein, das ginge heute gar nicht mehr. Inzwischen muss ich vorsichtiger sein. Wer will schon fotografiert werden, wenn er besoffen ist?

„Life“ zeigt James Dean unmittelbar vor seinem Durchbruch. Erinnern Sie sich noch an die Zeit kurz vor der „Twilight“-Hysterie?

Ja, das hat großen Spaß gemacht. Ich war noch kein Star, konnte aber schon die guten Seiten des Ruhms genießen: Plötzlich bekam ich tolle Angebote und durfte in die angesagten Clubs, in die ich zuvor nie reingekommen war.

Und dann haben Sie die Kehrseite des Ruhms kennengelernt?

Genau. Die Paparazzi machten mir das Leben zur Hölle, und meine Erfahrungen mit der Klatschpresse waren geradezu surreal. Ich bestand ja stets darauf, nicht über mein Privatleben zu sprechen – aber das hat überhaupt nichts genützt: Man hat einfach irgendwas erfunden. Ich habe völlig die Kontrolle über mein Leben verloren und nur noch versucht, in diesem Wahnsinn nicht zu ertrinken.

In „Life“ haben Sie quasi die Seiten gewechselt und einen Starfotografen gespielt. Verstehen Sie die Paparazzi nun besser?

Nein. Wenn ich sehe, wie manche von ihnen für ein bestimmtes Foto ihre Seele verkaufen, frage ich mich wirklich, ob sie sich nicht in Grund und Boden schämen. Wissen sie überhaupt, was sie da anrichten? Ich hoffe, sie hassen sich selbst so sehr wie Dennis Stock im Film!

„Life“ zeigt auch, dass Stock ein miserabler Vater war.

Ja, und das hat mich an der Geschichte besonders fasziniert. Denn man bekommt nur selten die Gelegenheit, einen Mann zu spielen, der seinen eigenen Sohn nicht liebt. Dieser selbstsüchtige Kerl ist eine höchst tragische Figur: eigentlich bloß ein Paparazzo, aber so besessen von der Idee, ein Künstler zu sein, dass er dafür seinen Sohn total vernachlässigt. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: seine Träume aufzugeben oder seine Familie zu opfern. Ich hoffe nur, ich bin irgendwann in ferner Zukunft ein besserer Vater!

Meinen Sie nicht, es wird schwer für Ihren Nachwuchs, mit einem so prominenten Vater aufzuwachsen?

Nein. Ich glaube, meine Kinder werden sehr selbstbewusst sein. Sie werden sich vermutlich nur fragen: „Warum zum Teufel ist mein Vater so ein komischer Kauz?“

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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