Rock aus der Provinz

- Vittula ist in den 60er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts zwar nicht ganz das Ende der Welt, hat aber vermutlich bereits dieselbe Postleitzahl. Der kleine Ort liegt am äußersten Rand Schwedens, dahinter kommt gleich die finnische Grenze - weiter weg vom Weltgeschehen kann man kaum leben. Es geht also alles seinen geregelten skandinavischen Gang in Vittula. Aber zu der Zeit grassiert weltweit ein gemeingefährliches Virus, das schließlich sogar ins abgelegene Vittula findet: der Rock'n'Roll.

Ein progressiver Junglehrer schleppt den Erreger ein und infiziert damit umgehend die Dorfjugend. Plötzlich ist im beschaulichen Vittula alles anders als sonst, und die ältere Generation sieht die Kräfte des Teufels walten.

Seit jeher war der Dorfpfarrer die unangefochtene Autorität in allen Lebensbelangen, wurde die Perspektivlosigkeit traditionell mit Alkohol weggeschwemmt und die Routine des Alltags stoisch ertragen. Und nun das: Junge Männer lassen sich die Haare wachsen, erzeugen vorsätzlich Krach, den sie Musik nennen, und träumen von einem Leben außerhalb Vittulas.

Die Verfilmung des in Schweden mittlerweile kultisch verehrten Bestsellers "Populärmusik aus Vittula" fängt genau wie der Roman die Atmosphäre des betulichen Lebens in der Provinz perfekt ein und macht sich darüber lustig - freilich sehr wohlwollend. Nichts wird denunziert, man lacht über die kleinen Schrullen der Bewohner, nicht über sie selber. Liebevoll wird die Mini-Revolution karikiert, nebenbei ein bestechend präzises Porträt der Zeit und des Landlebens gezeichnet.

So gekonnt vermag das nur jemand, der trotz aller Sympathie eine gewisse Distanz zum Gezeigten hat. Und so verwundert es kaum, dass dieser urskandinavische Film von Reza Bagher inszeniert wurde. Der Mann lebt zwar in Schweden - aber ursprünglich kommt er aus dem Iran.

"Populärmusik aus Vittula"

mit Max Enderfors, Andreas af Enehielm

Regie: Reza Bagher

Sehenswert

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