Romeo und Julia in Indien

- Auch das indische Bollywood-Kino, mit seinen fröhlichen Songs und üppiger Ausstattung primär ein Medium der Unterhaltung, kann seriöse Themen verhandeln. Zurzeit "in" ist in Indien die politische Annährung an den lange verfeindeten brüderlichen Nachbarn Pakistan. Und "Veer und Zaara", das neueste Werk des Regieveteranen Yash Chopra, ist nach "Main Hoon Naa", der vor zwei Monaten in Deutschland anlief, bereits der zweite indische Film, der eine Grenzen sprengende Versöhnungsgeschichte vor dem Hintergrund des indisch-pakistanischen Konflikts erzählt.

<P>Nebenbei erfährt man - bei allem hier selbstverständlichen Kitsch und bei allen Zugeständnissen an Mainstream-Erzählweisen - auch einiges über indisch-pakistanisches Leben. Der indische Pilot Veer hilft der schönen Pakistani Zaara, der Tochter eines ebenso reichen wie einflussreichen Politikers, als sie für eine Beerdigung nach Indien reist. Schnell verlieben sie sich, Zaara wird von Veers Pflegeeltern wie eine Tochter aufgenommen. Doch in der Heimat soll sie verheiratet werden. Zufall, Intrige und ein überstarkes Respektgefühl, das Jüngeren in dieser Kultur offenbar verbietet, ihren Eltern enttäuschende Wahrheiten zu sagen, macht Veer verdächtig, ein indischer Spion zu sein, und bringt ihn ins pakistanische Gefängnis.<BR><BR>Hohelied auf die Toleranz</P><P>Spannend wird diese Romeo-und-Julia-Story durch eine Rahmenhandlung, in der eine junge Anwältin für Menschenrechte und Veers Befreiung kämpft. Gerichtsfilm trifft Liebesdrama - und dazu kommt bei aller Gutgelauntheit ein düster-realistischer Unterton. Der Film versucht nämlich unaufdringlich, "moderne" Ideen aufzuwerten. Er zeigt religiöse Toleranz, vor allem stellt er die Lage der Frauen zwischen patriarchalisch-konservativer Ordnung und Emanzipationsversuchen genau dar. Am Ende dieses ebenso sympathischen wie gut gemachten Films steht das Hohelied auf Menschlichkeit und Toleranz. Dies ist - wie das obligatorische Happy-End - damit erkauft, dass der Film die Macht der Eltern, die Bedeutung der Familien-"Ehre" und den Patriotismus der Figuren nie auch nur sachte in Frage stellt. Ihnen muss im Zweifelsfall das persönliche Glück geopfert werden. </P><P>(In München: Museum i.O.)<BR><BR>"Veer und Zaara"<BR>mit Shah Rukh Khan, Preity Zinta<BR>Regie: Yash Chopra<BR>Sehenswert <BR></P>

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