+
Sie erhielten bei der Berlinale 2005 je einen Silbernen Bären für „Sophie Scholl“: Marc Rothemund als bester Regisseur, Julia Jentsch als beste Schauspielerin, hier beim Preview in München .

Rothemunds Filmprojekt: „Schwabings Königin“ braucht Geld

Das Film-Projekt spielt in der packenden Zeit der Schwabinger Bohème um 1900, es handelt von Franziska zu Reventlow mit ihrem Liebesleben, ihrem Intellekt. Der Münchner Marc Rothemund, Regisseur des preisgekrönten Films „Sophie Scholl“, führt Regie. Die Hauptrolle würde Julia Jentsch übernehmen. Doch es fehlt an Geld.

Rainer Maria Rilke wusste es schon damals: Das Leben der Fanny zu Reventlow sei „eines von denen, die erzählt werden müssen“. Der Münchner Filmemacher Marc Rothemund beherzigt das und arbeitet derzeit daran, die Geschichte einer der schillerndsten Persönlichkeiten aus Münchens „Goldenem Zeitalter“ zu verfilmen. Unter dem Titel „Die Königin von Schwabing“ will Rothemund nicht nur das bewegte Leben einer außergewöhnlichen Frau nachzeichnen, sondern auch eine oft übersehene Epoche porträtieren: die der Münchner Bohème.

Um 1900 lebten und arbeiteten Künstler von Weltrang im Münchner Stadtteil Schwabing und sorgten dafür, dass die Stadt den Ruf einer internationalen Kunst-Metropole bekam. „Letztlich zehrt München heute noch davon“, meint Rothemund. Und sein Ko-Autor Hellmut Fulss nennt diese wenigen Jahre, in denen die Kreativität in „Wahnmoching“ regelrecht explodierte, „die künstlerisch aufregendste Zeit der Stadt“.

Naheliegend, dass das hervorragender Filmstoff ist: eine Stadt im Umbruch, eine für damalige Zeiten unerhört emanzipierte Frau, die mit ihrer adligen Familie gebrochen hatte, alleinerziehende Mutter war und in einer Wohngemeinschaft mit Männern hauste – selbst heute würde man sie als unorthodox bezeichnen. Die „Gräfin“ lebte und liebte, wie es ihr gefiel. Ihr größtes Talent war, sie selbst zu sein – gegen alle Konventionen und Widerstände.

Zusatz-Information

Marc Rothemund hat die Dokumentation „The Journey Of An Olive Tree“ produziert, die heuer erstmals auf dem Filmfest München zu sehen ist (27. Juni, 16.30 Uhr, und 28. Juni, 14 Uhr, Cinemaxx).

Eine wunderbare Filmheldin also, für die Rothemund auch schon eine Idealbesetzung im Kopf hat: „Julia Jentsch wäre perfekt, und sie hätte auch Lust darauf“, sagt Rothemund. Zusammen mit der 31-jährigen Schauspielerin, mehrere Jahre im Ensemble der Münchner Kammerspiele, hatte er bereits 2005 mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ deutsche Zeitgeschichte erfolgreich für das Kino adaptiert: Eine Oscar-Nominierung, den Silbernen Bären der Berlinale, den Deutschen, den Europäischen Filmpreis sowie den Friedenspreis des Deutschen Films hat Rothemund damals dafür erhalten.

Vielleicht könnte „Die Königin von Schwabing“ ähnlich gut ankommen – das Problem ist nur, dass völlig unklar ist, wann oder ob der Film überhaupt gedreht werden kann. Es geht – wie immer – um das Geld. Den Antrag auf Drehbuchförderung hat der Bayerische Film- und Fernsehfonds (FFF) abgelehnt. Das überrascht, ist doch das Thema so bayerisch wie ambitioniert. Rothemunds Film könnte gar für München das werden, was Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ für Berlin ist.

Zudem ist Rothemund ein renommierter Regisseur, der weiß, wie man die Zuschauer ins Kino bringt. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Filmförderung vorsichtig geworden und will vielleicht einen potenten Koproduzenten sehen“, vermutet er. Lothar Just , Pressesprecher des FFF, rät Rothemund dagegen zu Hartnäckigkeit: „Er kann das Treatment nach einer Überarbeitung jederzeit wieder einreichen. Das eingereichte Treatment wurde abgelehnt, nicht das Projekt als solches. Niemand wird bei so einer Entscheidung bevorzugt oder benachteiligt.“

Der Regisseur wird es wieder versuchen, zumal er darauf baut, dass das Bayerische Fernsehen als möglicher Koproduzent Gefallen am Stoff findet. „Meines Wissens hat noch nie jemand diese Figur und das Phänomen der Schwabinger Bohème verfilmt – was ich sehr schade finde. Gerade als Schwabinger und Münchner“, sagt Rothemund. Und hofft, dass der BR seine Leidenschaft für das Thema teilt – zumal die Kosten überschaubar wären. „So teuer wird das nicht. Es gibt in Schwabing Ecken, die sehen genau so aus wie damals.“

Bis er mit der „Königin von Schwabing“ weitermachen kann, dreht Rothemund erst einmal eine romantische Komödie: „Es ist eine Art ,Notting Hill‘ für Teenager.“ Nach einer kurzen Pause lacht Marc Rothemund und sagt: „Ist etwas ganz anderes, aber auch nett. Und leichter zu finanzieren.“

von Zoran Gojic

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Star Wars 8: FSK gibt Altersfreigabe bekannt - Diese Fragen sind offen
Star Wars 8 läuft schon bald in den Kinos. FSK bestimmte die Altersfreigabe für „Die letzten Jedi“. Wer ist aber Chewbaccas neuer Begleiter? Und was passiert mit …
Star Wars 8: FSK gibt Altersfreigabe bekannt - Diese Fragen sind offen
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“
„Star Wars - Die letzten Jedi“ läuft ab Donnerstag in den Kinos. Die tz hat mit Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill über seinen Ruhm, über Actionfiguren und seine …
Mark Hamill über Carrie Fisher: „Als sie starb, war ich sauer!“

Kommentare