Auf der Rückbank vernascht

- Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschlands Großstädten ist fast jeder zweite Haushalt ein "Single-Haushalt", Tendenz steigend. Karriere, finanzielle Unabhängigkeit und sexuelle Ungebundenheit scheinen Werte wie Verantwortung, Fürsorge und Familie häufig abgelöst zu haben. Alfie, die Hauptfigur in Charles Shyers gleichnamigem Film, ist das Paradebeispiel eines solchen Singles und gleichzeitig der Beweis, dass es sich dabei nicht um ein rein deutsches Phänomen handelt: Der charmante Brite, gespielt von Jude Law, genießt sein Leben in New York und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, von einer Beziehung in die nächste zu schlittern.

<P>Verheiratete Frauen, naive Girlies, ältere Liebhaberinnen oder allein erziehende Mütter - Alfie kann keine widerstehen. Skrupellos vernascht der Chauffeur einer Luxuslimousine eine Kundin nach der anderen auf den weichen Polstern der Rückbank, ohne auch nur einmal über die Konsequenzen nachzudenken. Doch die folgen (wen überrascht's?) auf dem Fuße: Ausgerechnet Lonette (Nia Long), die Freundin seines besten Freundes, erwartet ein Kind von ihm . . .<BR><BR>Charles Shyer erzählt in "Alfie" keine unbekannte Geschichte: Bereits Mitte der Sechzigerjahre gelang Michael Caine in der Rolle dieses Herzensbrechers der Durchbruch als Schauspieler. Neu ist in diesem Remake, das stellenweise ein wenig langatmig geriet, die Perspektive der Frauen. Denn die haben dem selbst ernannten "Lady-Killer" im Zeitalter der Emanzipation einiges entgegenzusetzen und sind längst keine willenlosen Opfer mehr. So wie Alfie die Frauen zur Verwirklichung seines selbstgefälligen Lebens benutzt, benutzen sie ihn als Ablenkung im tristen Ehealltag, zur Selbstbestätigung oder einfach als Chance auf ein sexuelles Abenteuer.<BR><BR>Das alles wiederholt sich irgendwann, und wenn Shyer nicht Jude Law für die Hauptrolle gewonnen hätte, würde sein Film wohl, trotz schicker New-York-Szenen im Stil der Kultserie "Sex and the City" und dem Soundtrack der Musiklegenden Mick Jagger und Dave Steward, lediglich als belanglos durchgehen. Jude Law aber gelingt es mit seinem frechen Charme immer wieder, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu wecken. Zumindest die der Frauen. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Cinema i.O., Museum i.O.)<BR><BR>"Alfie"<BR>mit Jude Law, Jana Krakowski<BR>Regie: Charles Shyer<BR>Sehenswert</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“
Beim Münchner Filmfest hat die US-Regisseurin Sofia Coppola ihr neues Werk „Die Verführten“ vorgestellt. Wir trafen sie zum Interview.
Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“

Kommentare