Rührende Hilfe

- Die PISA-Studie löste in Deutschland eine Art nationale Katastrophe aus: Wir sind gar nicht mehr das Land der Dichter und Denker, sondern gehören europaweit gerade noch zum intellektuellen Mittelmaß. Ein Schock. Seitdem geistern wieder Begriffe wie "Bildungsauftrag" oder "Elitenförderung" durch die Medien. Anderen Worten wie dem "integrativen Unterricht" haftet dagegen das miefige Gesamtschul-Odeur der Siebzigerjahre an.

Wie sinnvoll eine derartige Erziehung heutzutage noch sein kann, beweist Hubertus Siegert mit seinem informativen Dokumentarfilm "KlassenLeben". Ein halbes Jahr lang begleitete er eine fünfte Klasse der Berliner Fläming-Grundschule. Diese 20-köpfige Gruppe ist keine gewöhnliche: Neben einer Hand voll lernbehinderter Kinder wie einem Mädchen mit Down-Syndrom oder einem anderen mit enormer Sehschwäche sitzen auch hochbegabte Elfjährige im selben Zimmer.

Die beeinträchtigten Schüler werden nicht benotet, und bei Referaten, Gruppenarbeiten und Tests helfen die Mitschüler ihnen ganz rührend. Von dieser wertvollen Integrationsmaßnahme abgesehen zeigt Siegert allerdings ausschließlich typischen Schulalltag. Dickliche Kinder, die quengeln und sich ausgegrenzt fühlen. Kleine Mädchen, die in regelmäßigen Gruppensitzungen bereits eloquent ihre Abneigung gegen einen Banknachbarn äußern. Dazu Lehrer, die mal behutsam anschieben und unauffällig fördern, andererseits aber rigoros durchgreifen können. Nichts Ungewöhnliches also. Eher banales Mittelmaß. Und dafür ist diese als Kinofilm getarnte Fernsehreportage einfach zu lang.

(In München: Atelier.)

"KlassenLeben"

Regie: Hubertus Siegert

Annehmbar

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