+
Russell Crowe macht das Inszenieren fast noch mehr Spaß als das Schauspielern.

Interview mit dem Münchner Merkur

Wird Russell Crowe nie wieder "Darsteller Knecht" sein?

München - Mit "Das Versprechen eines Lebens" feiert der australische Schauspieler Russell Crowe sein Regie-Debüt. Bald könnte er nur noch hinter der Kamera zu sehen sein, verrät er im Merkur-Interview.

Als Schauspieler hat Russell Crowe vom Oscar (für „Gladiator“) bis zum Golden Globe (für „A Beautiful Mind“) längst alle wichtigen Preise abgeräumt. Nun verblüfft der kernige 51-jährige Australier mit seinem Regiedebüt „Das Versprechen eines Lebens“, das am Donnerstag in unsere Kinos kommt.

-Wie kamen Sie dazu, diesen ambitionierten Antikriegsfilm zu inszenieren?

Ich wollte schon seit vielen Jahren Regie führen, fand aber nie den passenden Stoff. Und ausgerechnet 2012, im turbulentesten Jahr meines Lebens, in dem meine Ehe in die Brüche ging und ich nonstop fünf Filme hintereinander drehte, von „Noah“ bis „Les misérables“, bekam ich dieses Drehbuch in die Finger. Ich wusste sofort: Das ist es! Mit der für Regisseure typischen Arroganz meinte ich tatsächlich, ich sei der Einzige, der diese Geschichte auf angemessene Weise erzählen könnte.

-Der Film handelt von der Schlacht auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, bei der 1915 rund 100 000 Soldaten starben. Was bedeutet dieses Massaker den Australiern?

Die Schlacht gilt bei uns als militärische Feuertaufe der jungen Nation kurz nach der Unabhängigkeit von Großbritannien, und der 25. April, der Jahrestag der Landung in Gallipoli, ist unser wichtigster nationaler Feiertag. Dabei war das Ganze eine große Tragödie: Vor 100 Jahren rekrutierten die Briten in Australien ein Heer von Freiwilligen, um in der Türkei, wie es hieß, „die Zivilisation gegen die osmanischen Barbaren zu verteidigen“. Man lockte Tausende Männer mit der Aussicht auf Abenteuer – und mit der Chance, die große weite Welt zu sehen. In Wahrheit wurden sie in den sicheren Tod geschickt: Sie waren bloß billiges Kanonenfutter.

-Glauben Sie, Sie selbst wären 1915 auch mit Hurra in den Krieg gezogen?

Möglicherweise. Denn damals hätte sich nur eine sehr starke Persönlichkeit dem gesellschaftlichen Druck widersetzen können. Heute würde ich als Vater alles dafür tun, damit meine beiden Söhne nie in eine solche Situation geraten. Was würden die vielen Opfer des sinnlosen Massakers von Gallipoli wohl sagen, wenn sie erführen, dass wir Australier heute noch immer Menschen in Kriegsgebiete in der arabischen Welt schicken? Ich glaube, sie kämen sich verarscht vor.

-Hat die Komplexität des Themas Sie nicht abgeschreckt?

Ich dachte sogar, es sei fast unmöglich, dieses Ding zu stemmen – vor allem mit einem so knappen Budget. Aber gerade das hat mich gereizt. Ich bin mit kleinen, unabhängigen australischen Filmprojekten groß geworden und weiß genau, wie man möglichst preisgünstig und effektiv arbeitet.

-Wollten Sie auch unbedingt noch die Hauptrolle übernehmen?

Nein. Aber anders hätte ich den Film nicht finanzieren können. Ich war sozusagen der beste Schauspieler in der verfügbaren Preisklasse! (Lacht.) Natürlich war ich froh um jede Szene, in der ich nicht auch noch in einem komischen Kostüm vor die Kamera treten musste. Doch letztlich fand ich die Doppelbelastung gar nicht so schlimm. Und meine Leistung hat offenbar auch nicht gelitten: Immerhin haben mich die australischen Filmkritiker dafür zum besten Darsteller des Jahres gekürt. Das ist insofern witzig, als diese Halunken mich in den 15 Jahren zuvor nicht einmal nominiert hatten! Ich kann mich also bei mir als Regisseur bedanken, dass ich diese preiswürdige Leistung aus mir herausgekitzelt habe...

-Sind Sie jetzt auf den Regie-Geschmack gekommen?

Ja, unbedingt. Ich habe festgestellt, dass mir das Inszenieren noch mehr liegt als die Schauspielerei. Nun hängt alles davon ab, ob mein Debüt ein kommerzieller Erfolg wird. Wenn ja, dann darf ich wieder Regie führen und genieße völlige künstlerische Freiheit. Wenn nicht, dann muss ich mich wieder als Darsteller-Knecht in ungeliebten Produktionen verdingen. Sie sehen: Es steht viel für mich auf dem Spiel!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kambodscha verbietet Veröffentlichung einer Hollywood-Komödie
Ein Film, der die Zuschauer zum Lachen bringt, soll „Kingsman: The Golden Circle“ sein. Das wird er allerdings in Kambodscha nicht schaffen.
Kambodscha verbietet Veröffentlichung einer Hollywood-Komödie
Und sie ist weg - Der deutsche Kinderfilm bekommt eine Superheldin
Sue kann sich unsichtbar machen und muss ihre entführte Mutter retten: In Thüringen entsteht der erste deutsche Kinderfilm mit einer Superheldin als Hauptfigur. Ein …
Und sie ist weg - Der deutsche Kinderfilm bekommt eine Superheldin

Kommentare