In den Sand geschriebene Liebe

- Die Schauspielerin Irène tourt durch Belgien. Jeden Abend eine andere Stadt, ein anderes Publikum. Spannend ist das für die Mittvierzigerin schon lange nicht mehr. Vom Hotelzimmer aus, im bläulich flimmernden Licht des Fernsehers, telefoniert sie mit Ehemann und halbwüchsiger Tochter.

Bis sie bei ihren tragikomischen Solo-Auftritten als männermordende Witwe den Lebenskünstler Dries kennenlernt. Dries ist fasziniert vom spröden Charme Irènes, die sich lange sehr abweisend verhält. Er reist ihr nach, hört mit ihr "La traviata", sitzt täglich in der Vorstellung, und ganz zögerlich entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte.

Die Schauspielerin und Regisseurin Yolande Moreau hat ihren Solo-Abend "Sale affaire du sexe et du crime" 1982 geschrieben und ist damit lange Zeit quer durch alle französischsprachigen Lande gereist. In ihrem ersten, mit Co-Regisseur Gilles Porte realisierten Spielfilm greift Moreau nun die Solo-Komödie von damals wieder auf, lässt die Geschichte aber im Leben außerhalb des Theaters weitergehen. Das ist entwaffnend einfach und realistisch umgesetzt, aber gleichzeitig voller Poesie und Herzenswärme.

Der Filmtitel greift einen in Belgien und Nordfrankreich sehr beliebten Chanson von Raoul de Goedwaervelde auf, in dem der Meeresspiegel mit den Gezeiten steigt und fällt und alle in den Sand geschriebenen Liebesgeschichten wieder auslöscht.

In fließenden Wellenbewegungen verläuft auch die eigentümliche Beziehung zwischen Irène und Dries, die im Gegensatz zu Irènes Stück fast ohne Worte auskommt.

Subtil hält Moreau in den Momenten der Annäherung die Kamera auf Distanz, um dadurch schließlich eine umso größere emotionale Wucht zu entfalten. Da stehen sich dann in einer Kneipe auf einmal zwei nicht mehr ganz junge Menschen gegenüber, die gar nicht fassen können, was da gerade zwischen ihnen passiert ist, und bescheren dem Zuschauer einen dieser raren, ganz wunderbar magischen Kino-Momente. (Ab morgen in München: Atelier i.O.)

"Wenn die Flut kommt"

mit Yolande Moreau

Regie: Yolande Moreau

Sehenswert

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