Sanfte Bilder Ostdeutschlands

- Allzu paradiesisch verläuft das Leben der 27-jährigen Jeannette (wunderbar in ihrem Hunger nach Liebe und Glück: Stephanie Stappenbeck) nicht. Die allein erziehende Mutter eines schwierigen Sohnes hält sich mit einem Job auf einem Fußballplatz über Wasser. Die Eltern wissen alles besser, sind aber keine wirkliche Hilfe. Und der Nachbar, in den sich Jeannette verliebt, riskiert zwar gerne einen kleinen Seitensprung, will sich aber keinesfalls von Frau und Familie trennen.

Marco Mittelstaedt verzahnt in seinem liebenswerten Spielfilmdebüt "Jena Paradies" die episodenhaft erzählte Geschichte der jungen Mutter mit der des alternden Platzwarts und Fußballtrainers Harry (Bruno Frank Apitz). Dem hat das Leben nicht erst seit der Wende Knüppel in den Weg gelegt. Nun kämpft er um seinen Verein, sein privates Glück und einen Rest Lebensqualität. In Momentaufnahmen lässt Mittelstaedt charakteristische Situationen der beiden Hauptfiguren aufflackern. Ohne jede Larmoyanz erzählt der Regisseur von den schwierigen Alltagsbedingungen im Osten Deutschlands. Die großartig komponierten Bilder von Kamerafrau Judith Kaufmann fangen geschickt eine Balance zwischen dokumentarisch anmutender Nähe und sanfter Idylle ein.<BR><BR>Zwischen diesen beiden Polen verläuft das Dasein aller Personen in "Jena Paradies". Vieles erinnert thematisch und von der Erzählstruktur her an Filme von Andreas Dresen. Doch im Gegensatz zu dem bewusst nüchtern gehaltenen "Halbe Treppe" oder "Willenbrock" gelingt es Mittelstaedt, die tristen Lebensbedingungen seiner Figuren stets durch einen Hoffnungsschimmer zu veredeln und so bereits in seinem Debütfilm einen ganz eigenen, zwar melancholischen, aber immer auch vorsichtig optimistischen Ton zu finden. <BR><BR>(In München: Monopol.) <BR>>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

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