Arm und sangeslustig

- Die Bekehrung von aalglatten Karrieretypen zu fürsorgenden Stützen der Gesellschaft gehört zum Standardrepertoire bei Hollywood-Komödien. Auch "Fighting Temptations" funktioniert nach diesem Muster. Hier ist es Hochstapler Darren Hill (Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr.), der sich vom New Yorker Yuppie zum grundsoliden Südstaaten-Provinzler mausert. Dramaturgischer Aufhänger der Handlung ist eine Erbschaft, die Darren Hill in seinem Heimatstädtchen in Georgia antreten soll.

<P>Die Bedingung, um an das dringend benötigte Geld zu kommen, ist kurios: Darren soll den örtlichen Chor zum Sieg beim alljährlichen Gospel-Wettbewerb führen. Unglückseligerweise besteht der Chor nur aus einer Hand voll gelangweilter Rentner. Also werden Alkoholiker, Kriminelle und Straßenkinder angekarrt, um mit bigotten Baptisten den Herrn zu preisen.</P><P>Regisseur Jonathan Lynn gelingen einige wunderschöne Szenen, er hat viel Gespür für die Schrullen der Menschen in der "Provinz". Natürlich bedient er einige Klischees über den schwarzen Süden, der arm, aber glücklich vor sich hin singt. Allerdings halten sich derartige Ausrutscher in Grenzen. Zudem beweisen die Darsteller genügend Selbstironie, um so etwas rechtzeitig augenzwinkernd auszuhebeln.</P><P>Einziger Totalausfall ist ausgerechnet Soulstar Beyoncé´ Knowles. Die junge Dame ist umwerfend und singt zum Gotterbarmen schön, aber ihre darstellerische Präsenz tendiert gegen Null. Das ist ein Manko, ist es doch angeblich die Liebe zu dieser Frau, die den Ehrgeizling aus der Stadt dazu bewegt, das Landleben zu schätzen. Trotzdem ein kurzweiliger, wenn auch harmloser Filmspaß, der mit viel guter Musik über die schwarzen Löcher in der Handlung hinweg tröstet. (In München: Marmorhaus, Cadillac, Museum i.O.)</P><P>"Fighting Temptations"<BR>mit Cuba Gooding Jr., Nigel<BR>Washington<BR>Regie: Jonathan Lynn<BR>Annehmbar </P><P> </P>

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