Der Satansbraten

- Zur wohl innovativsten Erfindung organisierter Religion gehört sicher die Figur des Teufels. Ein raffinierter Kniff, um alles Unangenehme, Hässliche und Böse zu erklären: Der Teufel war's, nicht der liebe Gott. Kein Zufall vielleicht, dass man sich in Hollywood in wenig erfreulichen Zeiten wie diesen einen Erfolg von einem Film über den Teufel verspricht.

Neu ist das nicht, angelehnt ist "Das Omen" an den 30 Jahre alten gleichnamigen Horror-Klassiker. Erzählt wird von der Ankunft des Anti-Christen, der unter dem Namen Damien in eine wohlhabende, einflussreiche amerikanische Familie eingeschleust wird. Offenkundig setzt man darauf, dass sich niemand an das Original erinnert, oder keiner der Macher hatte große Lust, sich etwas Originelles für die Neuauflage einfallen zu lassen.

Jedenfalls kopiert Regisseur John Moore bis auf wenige Einstellungen den Klassiker seines Kollegen Richard Donner. Die Frau eines Diplomaten verliert bei der Geburt ihr Kind. Ihr Gatte ersetzt den verstorbenen Spross ohne Wissen seiner Frau durch ein Adoptivkind. Das entpuppt sich im Verlauf als jene Ausgeburt der Hölle, die der Prophet im Buch der Offenbarung angekündigt hatte. Kennzeichen des Anti-Christen ist die dreifache Sechs. Und darin liegt wohl letztlich der eigentliche Grund für die Produktion dieses Films: Er kam am sechsten Juni 2006 in die Kinos, eine dreifache Sechs also und eine Vorlagefür das Marketing.

Viel mehr ist über dieses Machwerk selbst bei größtem Wohlwollen für das dräuende Ende der Welt nicht zu sagen. Liev Schreiber und Julia Stiles tun als unfreiwillige Erziehungsberechtigte eines Satansbratens ihr Bestes und verleihen der eigentümlich sterilen Atmosphäre des Films ein klein wenig Glaubwürdigkeit. Auch in den Nebenrollen mühen sich Könner wie Pete Postlethwaite oder David Thewlis redlich, aber man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass sie ihren Filmtod herbeisehnen.

Angst vor der eigenen Brut

Ein Coup gelingt Moore mit der Besetzung des diabolischen Kindermädchens: Mia Farrow als freundlicher Todesengel ist einer der wenigen Lichtblicke. Ansatzweise interessant wird es auch, wenn Moore ein psychologisches Moment einführt: die Angst vor der eigenen Brut. Das Kind als Bedrohung eines funktionierenden Alltags wird zwei-, dreimal thematisiert, und es sind diese wenigen Augenblicke, in denen "Das Omen" eine eigene Handschrift entwickelt. Da wird selbst ein kleiner Junge, der sich ein Butterbrot schmiert, zum Schockeffekt.

Aber es sind zu wenige Szenen, und sie leiden unter dem größten Manko des Films: Hauptdarsteller Seamus Davey-Fitzpatrick. Als Nachwuchsteufel liefert der kleine Junge eine der peinlichsten Vorstellungen eines Kinderdarstellers in der langen Geschichte des Kinos ab. Wenn er böse schauen soll, sieht er ein bisschen aus wie eine schmollende Angela Merkel, also nicht wirklich bedrohlich, und auch sonst wirkt das, was der junge Mann da abliefert, unfreiwillig komisch. Mehr als einmal denkt man wehmütig an Harvey Stephens, den Damien aus dem Original, der so wunderbar hinterhältig dreinsehen konnte und einem tatsächlich ein klein wenig Angst einjagte. Stephens hat sich zu einem kurzen Gastauftritt in der neuen Fassung überreden lassen, aber auch das konnte sie nicht retten. (In München: Mathäser, Maxx, Leopold, Autokino, Cinema i.O.)

"Das Omen"

mit Seamus Davey-Fitzpatrick,

Liev Schreiber, Julia Stiles

Regie: John H. Moore

Erträglich

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