SATC: Was Männer unter Feminismus verstehen

New York - Das Leben besteht aus zwei Dingen, lässt die vertraute Off-Stimme den Zuschauer zu Beginn wissen, nämlich "Labels und Liebe". Das haben die Fans, und andere dürften sich kaum in die Spielfilm-Fortsetzung der Serie verirren, bereits in 94 Fernsehfolgen verinnerlicht: Mode und Männer, Sex und Schuhe bilden die Pole, zwischen denen sich das Leben einer Frau um die Dreißig einzupendeln hat.

Klappt's mit dem Kerl, sind weniger Klamotten nötig, endet eine Affäre, tröstet man sich rasch im nächsten Flagshipstore. Um anschließend erneut auf die Pirsch zu gehen nach dem Prinzen, der in SATC von der ersten bis zur letzten Folge "Mr. Big" hieß.

Folgerichtig ist der überlange Spielfilm auf zwei Höhepunkte hin ausgerichtet: Die Designerin Vivienne Westwood stiftet Carrie ein Brautkleid. Traummann Mr. Big einen begehbaren Kleiderschrank in der Größe einer Vierzimmerwohnung.

Davon abgesehen bietet "Sex and the City - Der Film" wenig dramaturgische Kunstgriffe. Durften die vier Hauptdarstellerinnen Miranda (Cynthia Nixon), Samantha (Kim Cattrall), Carrie (Sarah Jessica Parker) und Charlotte (Kristin Davis) in der Serie frei von der Leber weg die Dinge des Mannes beim Namen nennen, fielen derlei Pikanterien im Film einer penetrant gezuckerten Grundstimmung zum Opfer. Die Geschichte ist unerwartet platt und hätte zwei bis drei neue Wendungen gut verkraftet. Aber vielleicht verklärt die Erinnerung an manch frivole Sentenz aus der Serie nur den Blick.

Genau genommen war SATC niemals so provokativ und schon gar nicht so feministisch, wie es einem zahllose Berichte glauben machen wollten. Geschlechtsverkehr nach persönlichen Vorlieben als neue Freiheit der Frau zu erachten oder den mit der eigenen Kreditkarte getätigten Erwerb eines Paars Manolo Blahniks als Quantensprung der Emanzipation zu feiern - das ist, was Männer unter Feminismus verstehen. Und hat herzlich wenig mit dem zu tun, wozu Frauen tatsächlich in der Lage sind.

Grundgedanke aller Staffeln war: "Der Mann muss anrufen." Und anrufen. Und anrufen. Bis er endlich einen Antrag macht. Die Verzweiflung der Heldinnen ließ sich immer deutlich an ihrer Kleidung ablesen. In Pelzmantel, flatterigen Seidenhosen, weißen Ankleboots und einem silbernen Strickmützchen stapft Carrie diesmal in einer Szene durch die verschneite Silvesternacht. Nur an den exaltierten Klamotten lässt sich erkennen, wie emotional und sinnwandelnd dieser Augenblick sein soll.

Kein Wunder, dass die Darstellerinnen sich gefühlte tausend Mal umziehen. Die exklusiven Designerfähnchen sind der einzige Grund, diese weich gespülte, unerklärlich zerdehnte Fortsetzung der Serie anzusehen: Die einzigartigen Modelle von Yves Saint Laurent, Christian Dior, Louis Vuitton, Prada oder Chanel, um nur einige aufzuzählen, einmal in Großaufnahme begutachten zu können, dürfte die Fashionistas aller Länder geschlossen ins Lichtspielhaus treiben. Mehr kann es nicht sein. Oder doch? (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Atlantis OV., Cadillac, Rio, Rex, Auto-Kino, Cinema OV., Sendlinger Tor, Museum OV., Forum-Kinos, Gabriel, Kino Solln.)

"Sex and the City"

mit Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Kristin Davis, Cynthia Nixon

Regie: Michael Patrick King

Annehmbar *****

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