Satire und Analyse

- Erst 2002 wurde sie neben den seit Dezennien arrivierten Programmreihen der Berlinale installiert - und schon erfreut sich die neue Sektion "Perspektive deutsches Kino" einer enormen Beliebtheit. Das liegt zum einen daran, dass mit diesem Angebot endlich die seit langem geforderte Plattform für den einheimischen Regienachwuchs geschaffen wurde. Zum anderen aber auch an der überzeugenden Auswahl, die Alfred Holighaus, Leiter der "Perspektive", mit sicherem Gespür getroffen hat. Die Reihe bietet einen guten Überblick über den aktuellen Stand deutscher Nachwuchsfilmer und wartet mit den unterschiedlichsten Themen auf: "Der Reiz der Reihe ist ihre Vielfalt", betont auch Holighaus.

<P>Plattform für einheimische Nachwuchs-Regisseure</P><P>So ist zum Beispiel "Befreite Zone", Norbert Baumgartens Abschlussfilm an der Hochschule in Potsdam-Babelsberg, eine freche, pointierte Satire über die Verhältnisse in einer fiktiven ostdeutschen Kleinstadt namens Sässlen. Der ortsansässige Fußballclub kickt sich - vornehmlich durch den Zufallskauf eines afrikanischen Ballkünstlers - plötzlich in die Spitzen der Liga empor. Tolle Sache, doch dann wendet sich das Blatt. Baumgarten, selbst gebürtiger Bautzener, erzählt in seiner unprätentiösen Geschichte von den banalen Alltäglichkeiten in der früheren "Zone" und davon, dass im Grunde jeder Ossi ein mehr oder weniger liebenswerter Nazi ist. Klingt nicht lustig, ist es aber. Und mit Humor fängt Baumgarten die eigentlich harsche Kritik an seinen Landsleuten auf.<BR><BR>Ebenfalls um das Problem Fremdenfeindlichkeit dreht sich alles in "Bernau liegt am Meer". Die Regisseurin Martina Döcker verfolgt in ihrer Dokumentation den 21-jährigen Neonazi Daniel, der in brandenburgischer Knappheit seinen Weg in die rechte Szene erläutert. Diese zum Teil haarsträubenden und berührenden Aussagen kontrastiert Döcker mit Kommentaren des Bernauer Jugendrichters und Daniels Sozialarbeiterin. Trotz des ernsten Themas und des dokumentarisch-objektiven Stils hat "Bernau liegt am Meer" leichte, fast heitere Momente, in denen aber immer deutlich wird: Die deutsch-deutsche Vergangenheit hat jeden Lebenslauf äußerst nachhaltig beeinflusst - ganz egal, wie sehr man sich auch dagegen wehrt.<BR><BR>Einen völlig anderen Aspekt zum Thema Vergangenheitsbewältigung beleuchtet Bernd Fischers ambitionierte, eindringliche Dokumentation "Grüße aus Dachau". Fischer erzählt lakonisch von den Anstrengungen seines Heimatortes, ein ganz normales, dem Tourismus gegenüber aufgeschlossenes Fleckchen im schönen Oberbayern zu sein - und doch wird es ständig von seiner Vergangenheit eingeholt.<BR><BR>Der Name Dachau gilt im Ausland als ein Synonym für das "Dritte Reich" und die Schrecken der Konzentrationslager. Das sehen die Einwohner aber nicht so und betonen die Vorzüge der pittoresken Altstadt. Bei den unfreiwillig komischen Begebenheiten, die Fischer schildert, bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken.<BR><BR>Einen ganz anderen Blick zurück wagt Stefan Krohmer in seinem Spielfilm "Sie haben Knut". Er beginnt seine Geschichte über zerbrechende Liebe und die sich allmählich auflösenden politischen Ideale der frühen Achtzigerjahre als klassisches Beziehungsdrama, das zusehends zu einer messerscharfen Gesellschaftsanalyse der Friedensbewegung wird. Die Story von Ingo, der bei einem winterlichen Hüttenwochenende erkennen muss, dass ihm seine Freundin Nadja entgleitet, besticht auch durch die frischen, noch unverbrauchten Gesichter der Darsteller.<BR><BR>Insgesamt zeigen die bunt zusammengewürfelten Arbeiten der "Perspektive" vor allem zwei Dinge: Der deutsche Film von morgen lässt sich in kein vorgefertigtes Genre mehr pressen, und er hat viel zu sagen. Man kann also nur hoffen, dass für einige dieser Werke die Plattform der "Perspektive" wirklich das Sprungbrett für einen Kinostart sein wird, wie im vergangenen Jahr beispielsweise für "Fickende Fische" oder "Verrückt nach Paris".<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spinoff zur eigentlichen "Star Wars"-Saga konkretisieren sich. 
Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Lachattacken im Schnellformat: Bullyparade-Film ab Donnerstag im Kino
Michael Bully Herbig bringt seinen nächsten Film ins Kino. Am Donnerstag feiert „Bullyparade - Der Film“ seine Premiere - Lachattacken garantiert.
Lachattacken im Schnellformat: Bullyparade-Film ab Donnerstag im Kino

Kommentare