Sauna-Landschaft

- "Im Schwitzkasten" - der Titel von Eoin Moores neuem Film ist zwar Name jener Sauna am Prenzlauer Berg, in der der größte Teil dieser Komödie spielt. Doch er ist nicht zuletzt auch Metapher für die Lage der Deutschen in Zeiten der Krise. "So, ich manch' noch 'nen Aufguss - das könnte auch ein Politiker sagen, bevor er die nächsten Sozialleistungen kürzt.

Es ist zwar nur Jost Molinski, der Betreiber der Sauna, doch seine Stammgäste sind ein kleiner Querschnitt der Republik: Karin (Steffi Kühnert) hat gerade eine Ich-AG gegründet und redet nur noch von Business-Plänen und den halbseidenen Versicherungen, die sie verkaufen will. Dani (Esther Zimmerin) ist Stewardess, ihre beste Freundin Monika (Laura Tonke) eine etwas fahrige, aber optimistische Arbeitslose, die statt von langweiligem Familienleben lieber davon träumt, als Entwicklungshelferin nach Ruanda zu gehen.

Toni (Andreas Schmidt) ist langzeitarbeitslos und notorisch unehrlich; Nadinchen (Christiane Paul) ist die Schwester und Geschäftspartnerin von Jost. Sie ahnt kaum etwas von den Mauscheleien und krummen Geschäften, mit denen Jost versucht, den drohenden Bankrott noch zu vermeiden. Schließlich ist da noch Norbert Reich (Edgar Selge). Wenn er nicht in die Sauna geht, hält der Germanistikprofessor Vorlesungen über "Goethe als Kapitalist in ,Faust II’" und schreibt außerdem die Parlamentsreden seiner Frau, einer neoliberalen Bundestagsabgeordnete.

Immer wieder beobachtet Eoin Moore die Figuren seines Ensemblefilms in ihrem Alltag, kombiniert sie neu und schafft so Raum für Situationskomik und alberne Scherze. Dabei bleibt diese erste deutsche Arbeitslosenkomödie immer gelassen, predigt nie, sondern stellt die Verhältnisse durch genaue Beobachtung und den Blick für versteckte Absurditäten bloß. Neben ein paar sehr dichten und sarkastischen Momenten, bei denen einem sogar Billy Wilder einfallen kann, besticht der Film durch seine Gegenwärtigkeit. Moore erzählt von alltäglicher Lebenslüge, dem Recht auf Faulheit und einer Welt, in der alle alle betrügen.

Nach eher schwerblütigen Filmen ("Pigs will fly") findet der Regisseur mit "Im Schwitzkasten" zur Leichtigkeit seiner Anfänge mit "Plus Minus Null" zurück. Im Ton erinnert das an die Schnoddrigkeit von Andreas Dresens "Sommer vorm Balkon", allerdings ist "Im Schwitzkasten" lustiger und sarkastischer, nicht ganz so versöhnlich - ein sehr gelungener Film.

"Im Schwitzkasten"

mit Edgar Selge, Steffi Kühnert

Regie: Eoin Moore

Hervorragend

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff
Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spinoff zur eigentlichen "Star Wars"-Saga konkretisieren sich. 
Davon handelt der dritte "Star Wars"-Spinoff

Kommentare