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Chon (Taylor Kitsch, v.l.), Ophelia (Blake Lively) und Ben (Aaron Johnson) sind ein unschlagbares Team, bis sie mit dem Drogenkartell Schwierigkeiten bekommen.

"Savages": Drogenkrimi im Bilderrausch

Berlin - Mit seinem Thriller „Savages“ knüpft der dreifache Oscar-Preisträger Oliver Stone wieder an alte Glanzzeiten an. Hier lesen Sie die Filmkritik zum Drogenkrimi:

Natural Born Kiffer: Dem Biologen Ben (Aaron Johnson) und seinem Freund Chon (Taylor Kitsch) ist es gelungen, Marihuana mit einem traumhaften THC-Gehalt von 33 Prozent zu züchten. Die beiden kalifornischen Beach Boys, die sich ihre Freundin Ophelia (Blake Lively) brüderlich teilen, betreiben einen äußerst lukrativen Handel mit dem Stoff – bis Elena (Salma Hayek), die ruchlose Chefin des Baja-Drogenkartells, ein Stück von Bens und Chons Kuchen verlangt. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, lässt sie Ophelia durch ihren perversen Handlanger Lado (Benicio del Toro) entführen. Mit Hilfe eines korrupten Cops (John Travolta) versuchen Ben und Chon, ihre Freundin aus den Fängen der knallharten Kartell-Königin zu befreien.

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Mit dieser vitalen Verfilmung von Don Winslows cleverem Krimi „Zeit des Zorns“ beweist Oliver Stone („Platoon“), dass er mit 66 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Nach schwächeren Werken wie „World Trade Center“ kann der dreifache Oscar-Preisträger wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen – „Savages“ ist ein höchst lebendiger Thriller über Menschen am Abgrund des Todes. Mit optischen Spielereien wie Mehrfachbelichtungen und mit flirrenden, farbdurchtränkten Cinemascope-Aufnahmen entfacht der große Regie-Zampano einen wahren Bilderrausch: Stoned mit Stone, lautet die Devise. Der wüste, bisweilen etwas unausgegorene Stilmix vereint einen brutalen, gut recherchierten Drogenkrimi mit einer erfrischend amoralischen Liebesromanze und einem trashigen Burrito-Western à la Robert Rodriguez. Bis zum verstörenden (und leicht verunglückten) Schluss bleibt offen, wer denn nun die titelgebenden Wilden in diesem Spiel sind, in dem schöne Menschen ziemlich unschöne Dinge tun. Die interessanteste Figur ist dabei der von Aaron Johnson („Kick-Ass“) verkörperte buddhistische Botaniker Ben, der als Pazifist mit guten Absichten antritt, schrittweise korrumpiert wird und am Ende zu den schlimmsten Grausamkeiten fähig ist.

An seiner Seite verkörpert Taylor Kitsch („Battleship“) als traumatisierter Ex-Söldner Chon die martialische Hälfte der gewitzten Gringo-Gras-Gang. „Gossip Girl“-Star Blake Lively bleibt als Modepuppe Ophelia, die das Geld ihrer beiden Lover in Luxusläden ausgibt, ein blasses, braves, blondes Barbie-Betthäschen. In der Rolle der kaltschnäuzigen Kartellchefin Elena changiert Salma Hayek (mit gruseliger Kleopatra-Gedächtnisfrisur) überzeugend zwischen Machtlüsternheit und Muttergefühlen. Zwei Stars dürften indes den meisten Spaß beim Drehen gehabt haben: John Travolta als hinterlistiger Drogenfahnder und Benicio del Toro als psychopathischer Mann fürs Grobe sorgen immer wieder für herrlich durchgeknallten „Pulp Fiction“-Humor.

Marco Schmidt

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