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Filmklassiker mit Uschi Glas

Das „Schätzchen“ glänzt noch schärfer

München - 45 Jahre nach der Uraufführung wurde May Spils’ pfiffige Komödie mit Uschi Glas und Werner Enke restauriert. Jetzt kommt das Schätzchen runderneuert noch einmal zur Sache - auf DVD und Blu-ray.

Es war der Kultfilm der 68er-Generation: Mit 6,5 Millionen Kinozuschauern zählt „Zur Sache, Schätzchen“ zu den erfolgreichsten deutschen Filmen überhaupt. Die leichtfüßige, pfiffige, rotzfreche Komödie von Regisseurin May Spils traf den Zeitgeist und machte Uschi Glas zum Star – in der Rolle einer schnuckeligen Tochter aus gutem Hause, die einem schnoddrigen Tagträumer (verkörpert von Werner Enke) den Kopf verdreht. Nun kommt das „Schätzchen“ noch einmal ordentlich zur Sache: 45 Jahre nach seiner Uraufführung wurde der Filmklassiker aufwändig restauriert, und ab heute gibt es diese Fassung als DVD und Blu-ray zu kaufen.

May Spils hatte vor ihrem Langfilm-Debüt bereits mit Werner Enke den amüsanten Kurzfilm „Manöver“ gedreht, der sich ebenso im DVD-Bonusmaterial findet wie ihr sehenswerter zehnminütiger Erstling „Das Portrait“ aus dem Jahr 1966. Für das gemeinsam verfasste „Schätzchen“-Drehbuch plünderten die beiden die „Gag-Mappe“, in der Enke seine skurrilen Ideen, Aphorismen und Dialogfetzen gesammelt hatte. Einige Wortschöpfungen aus dem Film, etwa die Begriffe „fummeln“ oder „Dumpfbacke“, gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein; der Satz „Es wird böse enden!“ wurde zum geflügelten Wort. „Der Spruch stammt eigentlich von meiner Oma“, erzählt Enke. „Die sagte immer: ,Geh’ zum Finanzamt, bleib in Göttingen, geh’ bloß nicht in die Großstadt, wo die Künstler sind, sonst wird das böse enden mit dir!‘“

Eine Frau auf dem Regiestuhl: "Das war unerhöhrt" 

Produzent Peter Schamoni schlug der Regisseurin die Hauptdarstellerin vor: „Er rief mich an und bat mich, in sein Büro zu kommen“, erinnert sich Uschi Glas. „Dort saß eine bezaubernde, zierliche Person, und als ich sie fragte, was sie denn beim Film täte, sagte sie: ,Ich führe Regie.‘ Eine Frau auf dem Regiestuhl – das war damals ganz unerhört. Und dieses zarte Wesen traute sich das zu! Ich fand das toll. Als ich dann die ersten Drehbuchseiten gelesen hatte, wollte ich unbedingt dabei sein.“ Nach den Probeaufnahmen war auch May Spils von der damals 23-jährigen Schauspielerin begeistert: „Uschi war ein Glücksfall für unseren Film“, meint sie heute. In einer legendären Sequenz legt Uschi Glas auf einer Polizeiwache plötzlich einen charmanten, scheuen Striptease hin, der allerdings unvollendet bleibt. „Ich wollte meine blanke Haut nicht zeigen“, erklärt sie. „Drum bin ich zum Unterwäscheladen Krines in den Theatinerhof gegangen und habe mir von der wunderbaren alten Firmeninhaberin aus irgendwelchen spießigen Miedern eine Sexy-Hexy-Korsage bauen lassen. Und May Spils sagte: ,Bingo! So machen wir’s!‘“

Uschi Glas: Bilder ihrer Karriere

Uschi Glas: Bilder ihrer Karriere

Gedreht wurde an Münchner Originalschauplätzen, zum Beispiel im Ungererbad oder in der Türkenstraße. Vor der Weltpremiere des Streifens im Januar 1968 habe sie ganz schön gezittert, verrät Uschi Glas: „Damals saßen ja alle Filmkritiker mit im Kino, und wenn der Film nicht gefiel, wurde man gnadenlos ausgebuht.“ Doch das Gegenteil war der Fall: „Eine Walze des Vergnügens ist durch den Saal gerollt“, schwärmt sie. Der Erfolg sprach sich herum, und der Film hielt sich fast zwei Jahre lang in den Kinos.

Eine mögliche Fortsetzung möchte Uschi Glas auch heute noch nicht ganz ausschließen: „Vielleicht treffen wir uns ja noch mal im Altersheim“, lacht sie. Werner Enke winkt ab: „Von ,Casablanca‘ gibt es schließlich auch keinen zweiten Teil!“

Immerhin hat sich der Film für die Blu-ray-Premiere extra fein gemacht: Schmutz auf den Bildern wurde elektronisch entfernt, der Ton geglättet und das alte Bildformat für die modernen 16:9-Bildschirme neu justiert. Derart digital herausgeputzt, darf das „Schätzchen“ jetzt wieder glänzen – schärfer als je zuvor.

Marco Schmidt

May Spils: „Zur Sache, Schätzchen“

(Ascot Elite).

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