Die Schauspieler füttern

- Regie-Altmeister Claude Chabrol hält nicht viel von den neuen Medien. "Ich schreibe alles mit der Hand, ich habe noch nicht einmal einen Computer", sagte der 75-Jährige auf der Berlinale nach Präsentation seines Films "Geheime Staatsaffären". Das Internet sei zu kompliziert für ihn. Momentan sei man noch in einer Phase, Vor- und Nachteile zu prüfen.

Den Beruf des Regisseurs bezeichnete Chabrol als den schönsten der Welt. "Da sind 50 bis 60 Schauspieler, die nur eines wollen: dem Regisseur gefallen." Die Macht des Regisseurs sei eine "absolute Macht über wenig". Der perfekte Spezialist sei der, der alles zu nichts wisse. "So ähnlich ist es beim Regisseur." Um die Schauspieler bei Laune zu halten, müsse ihnen gut zu essen gegeben werden.

Sein neuer Film mit Isabelle Huppert in der Rolle einer Untersuchungsrichterin ist ein Polit-Thriller über Machtspiele und menschliche Abgründe. "Mir war wichtig, die Macht lächerlich zu machen", sagte Chabrol. Er wolle zeigen, wie sich Menschen verändern, wenn sie Macht bekommen. Die französisch-deutsche Koproduktion gehört allerdings leider zu den schwächeren Werken des unermüdlichen Franzosen, der hier Jahr ums Jahr einen neuen Film präsentiert. Auch die stets souveräne Huppert kann die überraschungsarme Handlung nicht retten.

Frankreichs Superstar verkörpert eine ehrgeizige Juristin mit dem schönen Namen Charmant, die einen spektakulären Fall von Wirtschaftskriminalität untersucht. Je tiefer sie eindringt in die Machenschaften, die wohl nicht ganz zufällig an die Affäre um den Mineralölkonzern Elf Aquitaine erinnern, desto größer wird ihr Machtgefühl.

Chabrol hat neben Huppert wieder etliche der besten französischen Darsteller für den Film gewonnen. Besonders sehenswert sind Franç¸ois Berlé´and und Patrick Bruel als Gegenspieler der Richterin.

Und Chabrols Lieblingsbeschäftigung, die Enthüllung der Abgründe bürgerlichen Lebens, gerät dieses Mal ohne Biss. Der einzige Grund, warum der Film in den Wettbewerb geraten ist, dürfte die Zusage von Chabrol und Huppert gewesen sein, nach Berlin zu kommen und dem Festival den Glanz großer Namen zu geben.

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