Ein Schauspieler, kein Schausprecher

- Horst Krause ist aufgrund seiner auffälligen Erscheinung in Film und Fernsehen ein viel beschäftigter Nebendarsteller. In "Schultze gets the Blues", der morgen in den Kinos anläuft, spielt er nun im reifen Alter von 62 Jahren seine erste richtige Hauptrolle in einem Spielfilm.

<P>Können Sie sich an ein Drehbuch erinnern, in dem die Hauptfigur so wenig Text hatte wie Ihr Charakter in "Schultze gets the Blues"?<BR>Krause: Nein. Dass in dem Drehbuch viel Handlung und wenig Text beschrieben wurde, hat mich aber gleich angesprochen. Ich bin schließlich Schauspieler und kein Schausprecher. Die Geschichte hat mir gefallen, der Regisseur hat mir gefallen - außer der Gage hat bei diesem Projekt einfach alles gestimmt.</P><P>Sie haben in Sachsen-Anhalt und in Louisiana gedreht, wo Filmteams sonst nie auftauchen. Wie haben die Menschen dort denn auf Sie reagiert?<BR>Krause: Da hab' ich auch gestaunt: Die waren sehr offenherzig und freundlich. Ich fand, dass sich die Menschen in Louisiana und in Sachsen-Anhalt von der Mentalität her eigentlich recht ähnlich waren. Vielleicht weil beides arme Regionen sind. In Louisiana bin ich mir vorgekommen wie nach einer Zeitreise in die DDR der 50er-Jahre, wo ich aufgewachsen bin. Das Leben ist dort noch sehr einfach. Diese Einstellung, mit dem Wenigen, das man hat, zufrieden zu sein, ist mir sehr angenehm aufgefallen.</P><P>Wie sind Sie mit den Darstellern in den USA ausgekommen?<BR>Krause: Ich habe viel gestisch gearbeitet, das geht wunderbar. Das hat die Sache auch lebendig gemacht, glaube ich. Wenn ich jetzt Englisch gelernt hätte, wäre es nicht so interessant gewesen.</P><P>Es ist auffällig, wie freundlich die Figuren des Films miteinander umgehen.<BR>Krause: Die sind freundlich zu ihm, weil Schultze auch freundlich zu ihnen ist. Das ist im Leben so. Man bekommt irgendwann alles zurück, was man gibt. Gutes und Schlechtes.</P><P>Sie erwecken im Film den Eindruck, musikalisch zu sein.<BR>Krause: Bin ich auch. Als der Regisseur erzählt hat, ich müsste Akkordeon spielen, habe ich gezögert. Ich spiele Trompete, vom Akkordeon habe ich nicht viel Ahnung. Aber es musste Akkordeon sein, und glücklicherweise hatte ich schnell ein Gefühl für das Instrument. Nur wer Akkordeon spielt, sieht, dass ich nicht selber spiele. Ein Laie merkt das nicht.</P><P>Der Film ist auf internationalen Festivals erfolgreich und wurde mittlerweile sogar in die USA verkauft. Haben Sie damit gerechnet?<BR>Krause: Ich habe schon darauf hingearbeitet, dass das ein guter Film wird. Aber dass er solche Wellen schlägt, hätte ich nicht gedacht. Ich freue mich sehr darüber.</P><P>Glauben Sie, dass Sie jetzt als Hauptdarsteller wahrgenommen werden und entsprechende Angebote bekommen?<BR>Krause: Da mach' ich mir keine Hoffnungen. Weil ich nicht an Menschen glaube. Und schon gar nicht an Produzenten.</P><P>Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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