Schenkelklopfer

- Von wegen kühne Recken, fiese Intrigen und gefährliche Drachen! Was uns spröde Geschichtslehrer und der gute alte Wagner seit Jahrzehnten gepredigt haben, sei vollkommener Unsinn, behauptet Regisseur Sven Unterwaldt, der mit seiner Parodie "Die 7 Zwerge" schon Grimms Märchen augenzwinkernd unter die Lupe genommen hat. In seinem neuen Film wagt er sich auf noch heikleres Terrain: "Siegfried" zieht die Sage um den blonden Helden, das Rheingold, die schöne Kriemhild und den bösen Hagen gründlich durch den Kakao. Idee und Skript dazu stammen aus der Feder von Blödelkönig Tom Gerhardt, der auch die Titelrolle des "Siggi" übernommen hat.

Dumpfbacken-Marathon

Und wie nicht anders zu erwarten, wird der Mythos vom Drachentöter unter Gerhardts Einfluss binnen kurzem zum Marathon der Dumpfbacken: Siegfried ist ein gutgläubiger Schwachkopf, der im breitesten rheinländischen Dialekt vor sich hin brabbelnd schusselig von einem Abenteuer ins nächste stolpert. Wahrer Held der kruden Story ist Siggis bester Freund, ein sprechendes Schwein, das den tollpatschigen Hünen vor aller Gefahr rettet, die ihm auf König Gunthers Burg und bei der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz droht.

Das klingt nicht nur nach grobem Klamauk, sondern gerät an ganz schwachen Stellen tatsächlich zur Peinlichkeit: Wenn Siegfried als Baby aus dem Rhein gefischt, dem Schmied Mime als erstes ins Gesicht speit, um dann mit einem kräftigen Urinstrahl ins dasselbe Ziel nachzulegen, dürfte selbst hart gesottenen Comedy-Fans das Lachen schwer fallen. Der Rest ist ein schwacher Abklatsch altbekannter Film- und Fernsehmotive: Ein wenig erinnert "Siegfried" an diverse Klassiker der "Monty Pythons", ganz stark an den Familienfilm "Ein Schweinchen namens Babe" und sehr oft an Gerhardts "Hausmeister Krause" - Sven Unterwaldt selbst scheint nicht viel eingefallen zu sein.

Klassen unter dem Humor der schrägen Briten und der Drolligkeit, die Ferkelchen Babe einst verkörperte, reiht er einen Schenkelklopfer an den nächsten. Meist albern, oft prolig-blöd, nie wirklich gut. Natürlich darf auch eine deutsche Heldensage vom verstaubten Sockel der Literatur gehoben und durch den Kakao gezogen werden. Unterwaldt aber ertränkt sie darin und lässt jeden Anflug von Witz kläglich absaufen.

(In München: Mathäser, Maxx, Münchner Freiheit, Autokino.)

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