Was für ein Schicksal

- Leonardo DiCaprio ist einer der wenigen Superstars des Gegenwartskinos. Mit einigen, aber immer gleichermaßen bei Publikum und Kritik sehr erfolgreichen Filmen wurde er zu einem der gefragtesten Schauspieler der USA. Zum Star machte ihn die Pop-Version von Shakespeares "Romeo and Juliet" (1996). Es folgten Hauptrollen in u. a. "Titanic" (1997), Woody Allens "Celebrity" (1999) und Martin Scorseses "Gangs of New York". Scorsese führte auch Regie in "The Aviator", einer Verfilmung des Lebens des mysteriösen Milliardärs, Filmproduzenten und Flughelden Howard Hughes (1905-1976).

<P>Die Idee zu dem Film geht auf Sie zurück? <BR><BR>DiCaprio: Vor sechs oder sieben Jahren las ich eine Biografie über Hughes. Ich war gefesselt von diesem Leben und der Art, wie der Mann es geführt hat. Was für ein Schicksal! Er war viel mehr als das, was man über ihn heute noch im Kopf hat: die Quintessenz des amerikanischen Tycoon im 20. Jahrhundert, ein Held. Als Filmproduzent war er seiner Zeit meilenweit voraus: Mit "Hell's Angels" drehte er den teuersten Film aller Zeiten - das hatte man noch nicht gesehen, genauso wenig wie die Freizügigkeit, mit der er Sex und Gewalt zeigte. In seiner Arbeit war er ein Perfektionist - das bin ich am Set auch. Ich kann mich sehr gut mit ihm identifizieren. Darum wollte ich, dass dieser Film gemacht wird.<BR><BR>Schon seinen Zeitgenossen war Hughes ein Rätsel. Kennen Sie nun den wahren Howard Hughes?<BR><BR>DiCaprio: Nein, er scheint zu widersprüchlich. Glücklicherweise konnte ich mit einigen Menschen sprechen, die ihn noch gekannt haben, vor allem mit einigen Frauen, mit denen er liiert war. Unter anderem auch mit Jane Russell. Daher habe ich eine gewisse Vorstellung. Der Howard Hughes, der jetzt auf der Leinwand zu sehen ist, ist meine Interpretation.<BR><BR>Wie war die zweite Zusammenarbeit mit Scorsese?<BR><BR>DiCaprio: Ich bin ein absoluter Bewunderer seiner Filme. Zu ihm kann man völliges Vertrauen haben. Er ist ein Genie, ein Kinokenner: Er hat alles gesehen, er lebt für das Kino, und er liebt seine Schauspieler leidenschaftlich! Das einzige, was ich wirklich bedauere, ist, dass es mir aus Versicherungsgründen verboten war, auch nur ein einziges Mal zu fliegen.<BR><BR>Viele Zuschauer denken bei Ihrem Namen immer an "Titanic". Stört Sie das?<BR><BR>DiCaprio: Gar nicht. "Titanic" war ein Phänomen - man kann es nicht vergessen. Von seinem finanziellen Erfolg abgesehen, hat der Film auch sehr, sehr viele Menschen berührt, und zwar über alle kulturellen Grenzen hinweg. Der Film hat für mich vieles erst möglich gemacht. Das Einzige, was ich bedaure, ist, dass ich mich seitdem nicht mehr unbehelligt auf der Straße bewegen kann. Aber andere Menschen haben, weiß Gott, schlimmere Sorgen.<BR><BR>Sie können heute pro Film 20 Millionen Dollar verdienen. Wo sehen Sie sich derzeit als Schauspieler, wo wollen Sie hin?<BR><BR>DiCaprio: Geld ist wichtig, keine Frage, denn es gibt mir die Freiheit, mir meine Rollen auszusuchen. Am Anfang meiner Karriere erschien mir mein Leben wie ein ununterbrochener Marathon von Film zu Film. Heute suche ich mir die Rollen genauer aus. Ich möchte meine Energie nicht verschwenden. Im Gegenteil: Ich will keinen Mist machen, möchte, dass jeder meiner Filme etwas Einzigartiges, Besonderes hat.</P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland<BR></P><P><BR> </P>

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